Versuchter Totschlag: Polizei verhaftet Hells-Angels-Boss - DER SPIEGEL
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Versuchter Totschlag Polizei verhaftet Hells-Angels-Boss

Großeinsatz im Morgengrauen: Spezialkräfte der Polizei haben den Präsidenten der Flensburger Hells Angels verhaftet. Der 36-Jährige soll vor einigen Monaten mit seinem Auto absichtlich einen rivalisierenden Bandido angefahren und schwer verletzt haben.
Hells Angels in Münster: Angriff auf der Autobahn
Hells Angels in Münster: Angriff auf der Autobahn

Hells Angels in Münster: Angriff auf der Autobahn

Foto: ? Ina Fassbender / Reuters/ REUTERS
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Flensburg - Die guten Wünsche auf der Internetseite der schleswig-holsteinischen Hells Angels sind erst einige Tage alt, da scheint das neue Jahr schon deutlich weniger "erfolgreich" und "stressfrei" zu werden, als es Unterstützer "Echty" den Rockern leicht verspätet gewünscht hatte.

Am frühen Mittwochmorgen, es war erst kurz nach 7 Uhr, durchsuchten Spezialeinheiten und Beamte des Kieler Landeskriminalamts (LKA) die Wohnungen dreier Hells Angels im Flensburger Umland sowie deren dortiges Vereinsheim. Den Präsidenten des Charters, das erst im Sommer 2008 offiziell gegründet worden war, verhafteten die Polizisten schließlich wegen des dringenden Verdachts des versuchten Totschlags.

Der 36-jährige Stefan R. soll im September 2009 mit einem Auto, laut LKA handelte es sich um einen Mercedes, ein Mitglied des verfeindeten Motorradclubs Bandidos absichtlich von der Autobahn 7 gedrängt haben. Das 24 Jahre alte Opfer, das mit seinen "Brüdern" aus Neumünster eine Ausfahrt unternommen hatte, wurde dabei lebensgefährlich verletzt. "Das Motiv für den Übergriff ist noch unklar", sagte LKA-Sprecher Stefan Jung SPIEGEL ONLINE. Am Nachmittag schickte ein Richter den "Höllenengel" erst einmal in Untersuchungshaft.

Waffenlager in Autowerkstatt

Der Großeinsatz am Morgen richtete sich aber auch gegen zwei weitere Hells Angels im Alter von 32 und 42 Jahren. Die Ermittler suchten nach weiteren Beweisen im Zusammenhang mit dem Fund eines Waffenlagers in einer Flensburger Autowerkstatt.

Im November hatten Ermittler dort unter anderem Sprengstoff, fünf Maschinenpistolen, zehn Schrotflinten und Pumpguns, Revolver und Pistolen sowie jede Menge Munition entdeckt. "Man hätte in den Krieg ziehen können", empörte sich ein Ermittler damals. Die im LKA eingerichtete Sonderkommission "Rocker" kann inzwischen auch eine Verbindung zwischen den Waffen und den Hells Angels nachweisen: "Sie sind ihnen zuzurechen", sagte Jung.

Die Beamten gehen davon aus, dass es bei der Fehde zwischen den Rockergruppen in Schleswig-Holstein auch um das Abstecken von Revieren und Geschäftsfeldern geht. Die Hells Angels und die Bandidos waren zuletzt immer wieder aneinander geraten. Dabei kam es auch zu Schüssen und Verletzten.

Attacke in Bremen

In Bremen griff am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr ein Unbekannter einen Hells Angel an. Der 61-Jährige, der früher dem dortigen Charter "Westside" angehörte und inzwischen in der Schweiz lebt, wurde in der Nähe des Clublokals mit einem Gegenstand niedergeschlagen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE vermuten die Ermittler hinter der Attacke jedoch keine verfeindeten Rocker, sondern interpretieren das Geschehen als Auseinandersetzung "im persönlichen Bereich". "Das sieht jedenfalls nicht nach den Bandidos aus", sagte ein Kriminalbeamter.

jdl