Mutter gesteht Kindstötungen "Es können zwei, drei oder auch vier gewesen sein"
Haus in Wallenfels
Foto: Nicolas Armer/ dpaBeim Auftakt des Prozesses um die Ermordung mehrerer Babys aus dem oberfränkischen Wallenfels hat die Mutter der Kinder ein Geständnis abgelegt. An die genaue Zahl der von ihr durch Ersticken getöteten Neugeborenen könne sie sich aber nicht mehr erinnern, ließ Andrea G. vor dem Landgericht Coburg von ihrem Verteidiger erklären. "Es können zwei, drei oder auch vier gewesen sein", sagte ihr Pflichtverteidiger Till Wagler.
Die 45-Jährige ist wegen vierfachen Mordes angeklagt. Acht Babyleichen waren gefunden worden. In einem Fall der toten Säuglinge geht die Anklage von einer Totgeburt aus, in drei Fällen ließ sich wegen des Verwesungszustands der Leichen nicht mehr feststellen, ob die Kinder bei der Geburt lebensfähig gewesen waren.
G. räumte in der von dem Verteidiger verlesenen Erklärung die acht Geburten ein. Demnach brachte sie alle Kinder allein bei sich zu Hause in Wallenfels zur Welt. Nach der Geburt habe sie die Kinder dann jeweils in Handtücher gewickelt, die sie im Bereich des Kopfs etwas fester zugezogen habe. Wenn ein Kind geschrien habe, habe sie ihm Mund und Nase zugehalten. Die toten Kinder habe sie dann in eine Tüte oder einen Behälter getan und in ihrer Wohnung versteckt.
Wagler sagte, seine Mandantin habe sich bei den Fällen jeweils in einem Ausnahmezustand befunden. Sie habe sich von ihrem wegen Beihilfe zu den Taten angeklagten Mann allein gelassen gefühlt. Ab der dritten oder vierten Geburt sei ihr Leben im Jahr 2007 oder 2008 völlig aus den Fugen geraten. Danach habe sie sich mit Alkohol betäubt und in Isolation zurückgezogen.
Der im November bekanntgewordene Fall löste bundesweit Entsetzen aus. Eine Anwohnerin hatte zufällig eine Babyleiche im Wohnhaus der Hauptangeklagten entdeckt, bei der weiteren Durchsuchung wurden dann die insgesamt acht toten Säuglinge entdeckt.
Für den Prozess sind 24 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Das Gericht setzte fünf Verhandlungstage an. Ein Urteil könnte bereits am Mittwoch kommender Woche fallen.