Wie man Rocker der Hells Angels oder Bandidos wird - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
SPIEGEL TV

Anleitung für angehende Rocker Wie man ein Höllenengel wird

Rocker zu werden ist gar nicht schwer - man muss nur ein paar Kniffe kennen: Unterwürfig sollte man sich den Clubs nähern, die Mitgliedschaft beginnt mit Drecksarbeit. Und seine Liebschaften sollte man sich sehr genau aussuchen. Eine Anleitung für Möchtegern-Rocker.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn Sie vorhaben, in eine der Banden einzutreten, sollten Sie angstfrei sein, mit ihren Oberarmen Nüsse knacken können und ein Motorrad besitzen. Bei den Hells Angels muss es eine Harley-Davidson sein. Ganz wichtig: Sie dürfen keine Maschine von der Stange nehmen. Am besten irgendwas vom Schrauber Geschraubtes. Sollten Sie länger nicht gefahren sein, dann bietet Harley-Deutschland ab und an "Wiedereinsteiger-Kurse" für 30 Euro an. Ratterknatter geht es dann mit dem Zweizylinder zum Vereinsheim. Dort angekommen, werden Sie erstaunt sein, wie wenige Motorräder und wie viele Rocker da sind.

In Brandenburg gab es den Fall der 14 Chicanos von Barnim: Zwei von ihnen hatten einen Führerschein, nur einer besaß ein Bike. Dafür glänzte der Club, der die Bandidos unterstützte, mit reichlich Vorstrafen.

Sind die Zeiten aufregend, die Konkurrenz machthungrig und der Verfolgungsdruck durch die Staatsmacht hoch, stehen Wachen an den Straßenecken, immer in Hör- und Brüllweite des Clubhauses. Wenn Sie später Bandenchef sind, werden Sie das zu schätzen wissen. Jedoch helfen auch die Rufer in der Großstadt nicht immer: Einmal kam das SEK im Linienbus vorgefahren. Da hieß es dann flinke Füße machen. Wenn, wie in diesem Fall, die Polizei von allen Seiten anstürmt und einen unsanft zu Boden reißt, schleudert man den Beamten am besten unflätige Bemerkungen zu deren Müttern entgegen.

Um "Member", also Vollmitglied, zu werden, müssen Sie die Mühen der deutschen Subkulturvereinsmeierei ertragen. Der Weg nach oben beginnt als "Supporter", das ist eine Art Sympathisant des Clubs. Rechte haben Sie in dieser Position gar keine.

Danach folgt die "Hangaround"-Phase. Das "Rumhängen" mit Clubmitgliedern ist nicht gerade geprägt von einem erfüllten Leben. Sie müssen Bier zapfen, aufräumen, Drogen aus Holland holen, Hilfsarbeiten verrichten. Gehen einem "Full-Member" nach ausgiebigem Alkoholgenuss ein paar Dinge durch den Kopf, zum Beispiel Bockwurst mit Kartoffelsalat, dann können Sie schon mal den Wischmopp holen. Einer muss die Sauerei schließlich wegmachen. Und das sind Sie.

"Prospect" ist die erste offizielle Vorstufe zur Vollmitgliedschaft. So ein Anwärter hat vor allem Wachdienste zu schieben. Wenn alle nach dem Clubabend, der ist Pflicht, nach Hause gehen, haben Sie als "Rocker auf Probe" zu bleiben. Sie schließen ab, machen das Licht aus, checken die Bewaffnung, und dann erst dürfen Sie sich schlafen legen. Es hat immer einer im Club zu sein. Stallwache.

Fotostrecke

Rocker: Die brutale Welt der Banden

Foto: dapd

Die erste Angriffswelle des Gegners oder der Polizei - die ja auch Gegner ist - haben Sie auszuhalten. Ganz wichtig: Wenn das Einsatzkommando mit der Ramme kommt, nicht hinter der Tür stehen! Sind Sie schnell genug und schaffen es, die anderen zu alarmieren, gibt es Bonuspunkte bei den Brüdern.

Zu den ehernen Regeln gehört, dass die Frauen der anderen Rocker tabu sind, was bisweilen kompliziert werden kann. In Jena gab es den kniffeligen Fall, dass ein Bandido eine Affäre mit der Geliebten eines anderen Bandidos anfing. Am Ende war der Schürzenjäger tot.


Dieser Text stammt aus dem SPIEGEL-Buch "Rockerkrieg. Warum Hells Angels und Bandidos immer gefährlicher werden" .