Tod einer Dreijährigen Yagmurs Mutter weint vor Gericht
Yagmurs Eltern mit Anwälten vor Gericht (Archiv): Gegenseitige Schuldzuweisungen
Foto: Daniel Reinhardt/ dpaHamburg - Melek Y. sieht sich zu Unrecht des Mordes an ihrer Tochter Yagmur angeklagt. Im Prozess um den gewaltsamen Tod der Dreijährigen aus Hamburg weinte deren Mutter vor Gericht, als der Vorsitzende Richter einen Brief verlas, in dem die 27-Jährige ihre Unschuld beteuerte. Die Verhandlung wurde vorübergehend unterbrochen.
Laut "Hamburger Morgenpost" macht Melek Y. ihren Partner für Yagmurs Tod verantwortlich. Demnach heißt es in dem Schreiben: "Mein Mann behauptet, es wäre ein Unfall, aber er hat den Tritt verursacht." Ihr Gewissen sei rein, so die 27-Jährige. Hüseyin Y. habe sie und Yagmur geschlagen, habe nie Kinder gewollt.
Der 25-jährige Vater hatte seine Frau in Vernehmungen als psychisch krank und aggressiv bezeichnet. Er ist angeklagt, weil er seine Tochter nicht vor den Übergriffen seiner Frau beschützt haben soll. Zunächst galt er den Ermittlern als Hauptverdächtiger.
Inzwischen sind sie allerdings zur Überzeugung gekommen, die Mutter habe Yagmur umgebracht. Diesen Vorwurf stützen sie unter anderem auf Kurznachrichten, die auf dem Handy der Frau gefunden wurden. Wenn ihr Mann sie wütend mache, lasse sie ihren Zorn an Yagmur aus, heißt es da. Melek Y. behauptet, jemand anderes habe die Botschaften geschrieben, um die Schuld auf sie zu lenken.
Yagmur war Mitte Dezember 2013 innerlich verblutet, die Folgen eines Leberrisses. Bei der Obduktion von der Leiche wurden Dutzende Hämatome sowie Knochenbrüche und weitere innere Verletzungen gefunden. Ein Polizist hatte ausgesagt, Yagmurs Blutergüsse seien mit bräunlichem Puder überschminkt gewesen.
Der Fall erregte Aufsehen, weil er als Beispiel für das Versagen der Behörden erachtet wurde. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft ist eingerichtet worden, um die Fehler der Behörden aufdecken.
Yagmur wurde seit ihrer Geburt von mehreren Jugendämtern betreut. Sie lebte lange bei einer Pflegemutter, durfte aber seit August 2013 wieder bei ihren leiblichen Eltern wohnen - obwohl ein Gerichtsmediziner schon Anfang 2013 Anzeige wegen des Verdachts auf Kindesmisshandlung gestellt hatte. Yagmur war wegen einer lebensgefährlichen Schädelverletzung eingeliefert worden.