Beleidigungsverfahren in München Zeugin lüftet Schleier
Zeugin vor dem Landgericht München
Foto: Andreas Gebert/ dpaVor dem Landgericht München hat eine Muslimin als Zeugin in einem Beleidigungsprozess ausgesagt - und den Verfahrensbeteiligten dabei ihr Gesicht gezeigt. Die Frau lüftete anders als beim ersten Prozess vor dem Amtsgericht ihren Gesichtsschleier. Damals hatte sie der Richter gewähren lassen: Sie durfte in kompletter Verhüllung aussagen, nur ihre Augen waren zu sehen.
Nun im Berufungsprozess am Landgericht hob die Zeugin den Schleier. Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf den Anwalt der Frau, sie habe eingesehen, dass es ein Fehler gewesen sei, ihr Gesicht aus religiösen Gründen nicht zu zeigen.
Dem Bericht zufolge ermahnte die Richterin die Frau vor der Aussage noch einmal ausdrücklich, die Abnahme des Schleiers vor allen Prozessbeteiligten sei unbedingt notwendig. Laut BR sprach sie erst unverschleiert zur Richterin, nachdem sich der Angeklagte weggedreht hatte.
Die 43-Jährige bekräftigte vor Gericht ihre Beschuldigung, der Mann habe sie im Mai 2015 im S-Bahngeschoss des Münchner Hauptbahnhofs beschimpft: "Ihr Arschlöcher" habe der Mann mit Blick auf die vollverschleierte Frau geäußert, und: "Du gehörst nicht her!"
Ein Ohrenzeuge hatte jedoch keine Beleidigungen gehört, der Angeklagte wurde wie schon in erster Instanz freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem ersten Urteil Berufung eingelegt, nun aber auf Freispruch plädiert.