Zu passiv: Spanier selbst schuld an Justizirrtum - DER SPIEGEL
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Zu passiv Spanier selbst schuld an Justizirrtum

Drei Monate lang saß Juan José P. im Kittchen. Einfach, weil er Pech hatte. Ein Dieb stahl ihm den Pass und bediente sich fortan seiner Identität. P. wurde verhaftet - und musste sich nach seiner Rehabilitierung auch noch mangelnde Sorgfaltspflicht vorwerfen lassen.
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Madrid - Drei Monate in Haft sind eine lange Zeit - vor allem, wenn man unschuldig ist. Wie die Zeitung "El País" am Montag berichtete, war dem Mann aus Tomelloso in der Region Kastilien-La Mancha bei einer Reise nach Toledo der Ausweis gestohlen worden. Der Dieb wurde später nach einem Raubüberfall gefasst - und gab sich als Juan José aus. Er wurde bis zur Verhandlung auf freien Fuß gesetzt.

Weil Juan José sich keiner Schuld bewusst war und nichts Illegales getan hatte, ignorierte er alle in der Folge bei ihm eintrudelnden Vorladungen des Gerichts und glaubte beharrlich an einen Irrtum. Im September 2006 verurteilte ein Gericht den unbescholtenen Dorfbewohner in Abwesenheit zu sechs Monaten Haft.

Als Juan José kurz darauf festgenommen und inhaftiert wurde, verstand er die Welt nicht mehr. Täglich beschwor er seine Unschuld, wendete sich an alle zuständigen Behörden - vergeblich. Seinem Anwalt gelang es schließlich, das Gericht von dem Dokumentenbetrug und mithin der Unschuld des Angeklagten zu überzeugen. Nach 90 Tagen im Gefängnis kam Juan José frei.

Justizirrtums

Das Opfer des verlangte vom Staat eine Entschädigung - in Höhe von 1000 Euro pro durchlittenem Knasttag. Der Anwalt betonte, Juan José stamme aus bescheidenen Verhältnissen und habe die Bedeutung der Vorladungen nicht einschätzen können.

Das Justizministerium kam jedoch in einer internen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der Dorfbewohner "aufgrund seines Desinteresses und seiner Passivität" seine irrtümliche Inhaftierung selbst zu verantworten habe: "Der ausschlaggebende Punkt für den Freiheitsentzug war, dass er seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist."

ala/dpa

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