Zuschauer-Wahn Lettermans geheime TV-Botschaften
Santa Fe - Derselbe Richter, der den Bann ausgesprochen hatte, revidierte nun das eigene Urteil. Letterman wird es künftig nicht mehr verboten sein, sich Nestler weniger als 90 Meter zu nähern oder an die ihm vermutlich unbekannte Frau zu denken - so nämlich hatte das erste Urteil des Juristen gelautet.
Klägerin Nestler hatte den Talkshow-Moderator beschuldigt, während seiner Sendungen Code-Wörter, geheime Gesten und versteckte Blicke verwendet zu haben, um mit ihr in Kontakt zu treten. Doch anders als normale oder besonders exzentrische Fans glaubte Nestler nicht daran, dass der bebrillte Late-Night-Moderator ihr mit den geheimen Signalen seine Zuneigung kommunizieren wollte. Im Gegenteil: Letterman terrorisiere sie seit elf Jahren mit diesen Botschaften, beschwerte sich Nestler vor Gericht. Dies habe schließlich sogar zu ihrem Bankrott geführt. Die Klägerin forderte, der Moderator müsse aufhören, "an mich zu denken und mich weiterhin mental zu belästigen".
Richter Daniel Sanchez, an den sich Nestler wandte, war angesichts der Beschuldigungen offenbar so ratlos, dass er gegen Letterman eine Art Mini-Kontaktsperre verhängte: Der Prominente müsse sich mindestens 90 Meter von Nestler entfernt halten.
Gegen das abstruse Urteil legten die Anwälte des Fernsehstars umgehend Widerspruch ein: Die Klage Nestlers sei "absurd und willkürlich", schränke die Grundrechte Lettermans ein und schädige seinem Ruf. Außerdem sei das Gericht in New Mexico gar nicht zuständig. Richter Sanchez hatte nun ein Einsehen: Er hob den Bann wieder auf.