Justizirrtum Unschuldiger US-Bürger saß 15 Jahre in Haft
Oklahoma City - Der 39-jährige Jeffrey Todd Pierce wurde am Montag in Oklahoma City aus der Haft entlassen, nachdem ein DNS-Test seine Unschuld bewiesen hatte. 1986 war Pierce wegen Vergewaltigung zu 65 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil stützte sich auf das Gutachten der Chemikerin, die befand, ein am Tatort gefundenes Haar stamme von Pierce. Zuvor hatte sie die Haarproben mikroskopisch untersucht.
Die Chemikerin, Joyce Gilchrist, war als Gutachterin der Polizei an 23 Verfahren beteiligt, in denen die Angeklagten zum Tod verurteilt wurden. Elf von ihnen wurden bereits hingerichtet, die anderen zwölf sitzen in Oklahoma in der Todeszelle. Diese Fälle sollen nun neu geprüft werden, ebenso wie Hunderte andere, die Gilchrist bearbeitete.
Ein Bericht der Bundespolizei FBI kam zu dem Ergebnis, dass die Gutachterin in mindestens sechs Fällen die Grenzen der Gerichtsmedizin überschritten hat. In der Magazinsendung "60 Minutes II" betonte Gilchrist, sie habe nie wissentlich Unschuldige belastet. Sie ist mittlerweile vom Dienst suspendiert.
Pierce hatte stets seine Unschuld beteuert. Er wurde verurteilt, obwohl das Opfer ihn zunächst nicht identifizieren konnte. Zudem hatten zwei Arbeitskollegen ausgesagt, sie hätten zur Tatzeit mit Pierce gegessen. Der Mann war zum Zeitpunkt seiner Verurteilung verheiratet und Vater von 17 Monate alten Zwillingen. Die Ehe wurde später geschieden.
Seine Freiheit verdankt Pierce einem DNS-Test-Programm der Staatsanwaltschaft Oklahoma. Sie rollt systematisch Fälle aus der Zeit auf, als Kriminalisten noch nicht mit dem "genetischen Fingerabdruck" arbeiteten.