Juwelenraub: "Den roten Teppich ausgerollt" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Juwelenraub "Den roten Teppich ausgerollt"

Die Juwelendiebe von Antwerpen hatten offenbar Hilfe von Angestellten. Anders sei der reibungslose Ablauf des größten Diamantenraubs aller Zeiten nicht zu erklären, meinen die bestohlenen Händler.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Antwerpen - "Jemand hat diesen Männern den roten Teppich ausgerollt", wird der Händler Eddy Elzas in der Zeitung "De Standaard" zitiert. Die Kameras seien manipuliert gewesen, und die Diebe hätten den Code des Tresors gekannt. Außerdem habe keiner der Sensoren funktioniert, obwohl an jedem Safe einer angebracht sei. Die mit großem Aufwand installierten Sicherheitssysteme hätten allesamt versagt.

Nach Medienberichten hatten sich die Langfinger schon am Freitagabend im Diamond Center einschließen lassen. Nachdem sie Kameras und Wärmefühler ausgeschaltet hatten, brachen die Diebe 123 der 160 Schließfächer im Tresorraum auf. Angeblich erbeuteten sie dabei Edelsteine im Wert von mehreren Millionen Euro. Die Diebe nahmen gezielt rohe und geschliffene Steine mit, die sich leichter an den Mann bringen lassen. Die halb verarbeiteten ließen sie liegen. Entdeckt wurde der Einbruch erst am Montag. Von den Tätern fehlt noch jede Spur.

Die ausgeraubten Händler sind zum Teil nicht versichert und suchen nun nach einem Maulwurf, der den filmreifen Coup möglich gemacht haben könnte. Händler Elzas schätzt, dass die Hälfte seiner 120 Kollegen keinen Versicherungsschutz hat. Das liege vor allem daran, dass es der Branche zurzeit schlecht gehe und viele kleinere Firmen deshalb an den Versicherungsprämien sparten. Viele Kollegen stünden nun vor dem finanziellen Ruin.

Im Dezember 1994 waren Antwerpener Diamantenhändler schon einmal Opfer eines Raubs geworden. Die Diebe hatten damals acht Safes ausgeräumt und sich mit Bargeld und Edelsteinen im Gesamtwert von 4,5 Millionen Euro davongemacht. Die Tat ging als "Einbruch des Jahrhunderts" in die Geschichte des belgischen Handelsplatzes ein. Die drei Anführer wurden im Dezember vergangenen Jahres zu fünf Jahren Haft verurteilt. Laut "De Standaard" ist aber mindestens einer der Beschuldigten noch immer auf freiem Fuß.