Kältewelle: Deutschland im Minus - DER SPIEGEL
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Väterchen Frost: Deutschland und Osteuropa bibbern

Foto: Bodo Marks/ dpa

Kältewelle Deutschland im Minus

Es geht weiter abwärts mit den Temperaturen: Stellenweise sind in Deutschland minus 35,3 Grad gemessen worden, wegen Eisschollen können Schiffe nicht mehr die Nordseeinseln Juist und Wangerooge ansteuern. Am Wochenende soll es sogar noch kälter werden.
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Hamburg - So kalt war es in diesem Jahr noch nie in Deutschland: Am eisigsten war es am bayerischen Funtensee. Dort zeigte das Thermometer in der Nacht auf Freitag minus 35,3 Grad an, wie der Wetterdienst Meteomedia meldete. In Sachsen wurden in Morgenröthe-Rautenkranz minus 27,9 Grad gemessen, in Deutschneudorf minus 26,4 Grad und in Erlabrunn im Erzgebirge minus 25,5 Grad. Auf der Zugspitze waren es minus 23 Grad, in Gotha minus 21,6 und in Weimar minus 20,9 Grad.

In Mecklenburg-Vorpommern und in Schleswig-Holstein fiel laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) im Vergleich zum Rest des Bundesgebiets besonders viel Schnee. In beiden Bundesländern lagen am Freitagmorgen bis zu zehn Zentimeter Schnee. Im Tagesverlauf sollten sich diese leichten Schneefälle weiter nach Süden ausbreiten. Auslöser dieser Niederschläge ist das Tief "Katarzyna".

Die Inseln Juist und Wangerooge sind derzeit komplett vom Festland abgeschnitten. Nach dem Schneefall am Morgen stellten die Inselflieger den Personentransport zu den beiden ostfriesischen Inseln ein, wie Sprecher der Transportunternehmen sagten. Die Maschinen können erst wieder starten, wenn die Sicht besser wird und die Pisten geräumt sind. Zuvor war bereits wegen Eis in den Häfen und niedrigen Wasserständen der Fährverkehr eingestellt worden. Er ruht voraussichtlich das komplette Wochenende. Für die anderen Inseln außer Borkum sind die Fahrpläne eingeschränkt.

Die Menschen in Deutschland werden weiter bibbern. "Es bleibt vorerst noch kalt", sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Zudem bringe ein Tief über der Ostsee etwas Schnee nach Norddeutschland. "Das ist entstanden durch die Kaltluft, die sich über die Ostsee schiebt", erklärte die Wetterexpertin.

Kältester Winter seit sechs Jahren in Ukraine

In der Ukraine hat die Kältewelle weiteren 38 Menschen das Leben gekostet. Damit stieg die Zahl der Kältetoten in dem osteuropäischen Land auf 101, wie das Katastrophenschutzministerium am Freitag in Kiew mitteilte. Bei den meisten der Toten handelt es sich um Obdachlose. Beobachter vermuten, dass es tatsächlich noch weit mehr Opfer gibt. Die ukrainische Regierung erhöhte die Zahl der Wärmestuben, in denen Frierende mit heißen Getränken und Essen versorgt werden, deutlich auf fast 3000. Landesweit sind 88 Prozent der Schulen wegen des Extremwinters geschlossen, Hunderttausende Schüler haben "kältefrei". Mehr als 1200 Menschen werden wegen Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt. Die Ukraine durchlebt derzeit mit Temperaturen von minus 33 Grad Celsius ihren kältesten Winter seit sechs Jahren.

Russland nannte erstmals offizielle Zahlen zu Kälteopfern im größten Land der Erde: Laut Zivilschutzministerium erfroren im Januar insgesamt 64 Menschen, wie die Agentur Itar-Tass meldete. In der russischen Hauptstadt mussten in der Nacht zum Freitag erneut etwa 20 Menschen mit Erfrierungen in Krankenhäuser gebracht werden. Die Fährverbindung zur Insel Putjatina unweit der Großstadt Wladiwostok am Pazifik war erstmals seit Jahren wegen dicker Eismassen unterbrochen.

Die Kaukasus-Republik Georgien meldete mit bis zu minus 20 Grad die tiefsten Temperaturen seit 1998. Wegen der schweren Schneefälle und Glatteis gebe es deutlich mehr Unfälle und verletzte Fußgänger, teilten die Behörden mit. In Weißrussland mussten rund 900 Schulen wegen der Kälte schließen.

Polnische Tierheime: Bitte um vorübergehende Adoption der Hunde

Die arktische Kälte in Osteuropa beginnt sich auf die Gaslieferungen aus Russland auszuwirken. Der polnische Versorger PGNiG meldete einen Druckabfall in der wichtigen Ost-West-Pipeline Jamal um sieben Prozent, berichtet die Zeitung "Gazeta Wyborcza". Polen sei deshalb bereits dazu übergegangen, das Land aus eigenen Reserven zu versorgen. Der Verbrauch in Polen hat sich wegen der Kältewelle um rund 50 Prozent erhöht.

Warum der russische Monopolist Gazprom bestellte Lieferungen nicht ausführt, blieb unklar. Der Konzern teilte mit, man pumpe wegen der erhöhten Nachfrage derzeit etwa 300 Prozent mehr Gas in die Ost-West-Pipelines als üblich. Die Ukraine, das wichtigste Transitland, gibt Moskau die Schuld. Der russische Staatskonzern Gazprom pumpe jeden Tag 75 Millionen Kubikmeter weniger Gas in die Pipelines als vereinbart, sagte Energieminister Juri Boiko in Kiew nach Medienangaben. Gazprom hatte am Vortag Lieferkürzungen dementiert und die Ex-Sowjetrepublik seinerseits indirekt beschuldigt, illegal Gas aus Transitleitungen abzuzapfen.

Nach der bisher kältesten Nacht des Winters wurden in Polen am Freitagmorgen in vielen Orten Temperaturen von minus 30 Grad und kälter gemessen. In dem südostpolnischen Dorf Stuposiany war es minus 34 Grad kalt, in der ostpolnischen Stadt Bialystok betrug die Bodentemperatur minus 35 Grad.

Es häufen sich Klagen frierender Arbeiter und Angestellter über zu niedrige Temperaturen am Arbeitsplatz, meldete die Nachrichtenagentur PAP. Nach polnischem Arbeitsrecht müssen Büroräume mindestens 18 Grad warm sein und in Fabrikhallen Temperaturen von mindestens 14 Grad herrschen. Andernfalls drohen dem Arbeitgeber Bußgelder in Höhe von bis zu 30.000 Zloty (gut 7000 Euro).

Auch die polnischen Tierheime schlagen Alarm. Sie appellierten an die Bürger, zumindest für die schlimmsten Frosttage einen Hund aus einem Asyl vorübergehend zu adoptieren, berichtet die Zeitung "Rzeczpospolita" in ihrer Online-Ausgabe. Die meist in offenen Gehegen gehaltenen Tiere könnten bei den arktischen Nachttemperaturen nicht lange überleben.

siu/Reuters/dapd/dpa

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