GENUSS Kaffee auf der Couch
In Europa haben die Deutschen nicht den Ruf, den Genuss erfunden zu haben, sie selbst aber halten sich durchaus für Genießer. Die von zwei Meinungsforschungsinstituten durchgeführte, gerade kommentiert veröffentlichte »Große deutsche Genuss-Studie 2004« legt nahe, dass man beides zu Recht behaupten kann: Die Deutschen sind, was den Genuss betrifft, konsequent, aber wenig originell. Genuss wird mehr mit Ruhe assoziiert als mit Aktion, man ist lieber Couchpotato als Eventhopper. Zu den wichtigsten kleinen Alltagsgenüssen gehört das Kaffeetrinken in der Arbeitspause, gefolgt von den Freizeitvergnügen Musikhören und Nichtstun. Typisch für eine Gesellschaft mit hohem Verwaltungsaufwand, glaubt der Berliner Autor und Herausgeber des Essaybandes, Thomas Platt. Beste Voraussetzungen, »viele genussvolle Momente« zu erleben, haben - die Ergebnisse der Studie zusammengefasst - Personen, die ihr Leben innerhalb eines Zwei- bis Vier-Personen-Haushalts verbringen, in einem Wein anbauenden, katholischen Land leben und die zu den Berufsgruppen der Selbständigen und / oder Landwirte zählen. Spielt wenigstens in den südlichen Ländern das Essen eine prominente Rolle auf der Skala der Genüsse, so schneidet ein anderes Vergnügen bundesweit schlecht ab: Nur zwölf Prozent der Befragten nannten Sex und Zärtlichkeit als eine der drei genussreichsten Tätigkeiten ihres Lebens.
Thomas Platt (Hg.): »Genussbarometer Deutschland. Wie wir zuleben verstehen«. Christoph Links Verlag, Berlin; 256 Seiten; 14,90Euro.