Kalifornien Flugzeugabsturz vor der Küste
Los Angeles - Vor der kalifornischen Küste kämpften Rettungsmannschaften gegen die einbrechende Dunkelheit und die Strömung an. Ein Teppich aus Flugzeugbenzin und kleineren Trümmerteilen markierte die Stelle, an der Flug Nummer 261 der Alaska Airlines ins Meer gestürzt war. 83 Passagiere und fünf Crewmitglieder waren an Bord. Um kurz vor vier Uhr nachmittags war am Flughafen von Los Angeles ein Notruf des Piloten eingegangen.
Die Maschine, unterwegs vom mexikanischen Feriendomizil Puerto Vallarta nach Seattle im Bundesstaat Washington, habe technische Probleme gehabt, bestätigte Mitch Barker, Sprecher der US-Flugaufsichtsbehörde in Seattle. In San Francisco war ein Zwischenstopp geplant. Los Angeles gibt die Erlaubnis zur Notlandung. Doch bevor es dazu kommt, verschwindet die Maschine in rund 6000 Metern Flughöhe von den Radarschirmen. Von einer rund fünf Kilometer entfernten Insel aus beobachtet ein Mitarbeiter eines Naturschutzparks den Absturz. Die Maschine sei im Steilflug mit der Nase zuerst im Meer versunken, sagt er Reportern.
30 Minuten später treffen die ersten Boote der Küstenwache an der Absturzstelle in der Nähe von Santa Barbara, rund 40 Kilometer nordwestlich vom Internationalen Flughafen in Los Angeles, ein. Sie finden Fetzen der Kabinenisolierung und kleinere Flugzeugteile, aber keine Überlebenden. Die Suche gestaltet sich als schwierig: Es wird vermutet, dass der Flugzeugrumpf in rund 250 Metern Meerestiefe liegt. Dann bricht die Dunkelheit ein. Die Küstenwache benutzt Radar und Nachtsichtgeräte. Mehrere Fischerboote assistieren mit Suchscheinwerfern. Fünfeinhalb Stunden nach dem Absturz werden die ersten Leichen und geborgene Flugzeugteile an Land gebracht.
Die Hoffnungen schwinden, noch Überlebende zu finden. Das Wasser des Pazifik ist nur zehn bis 14 Grad warm. Trotzdem wird die ganze Nacht hindurch die Absturzstelle nach eventuell noch Lebenden durchkämmt. "Wir werden so lange weiter suchen, bis die Chancen gleich null sind", erklärt Captain George Wright von der Küstenwache. "Es hat schon Wunder gegeben."
Im Ankunftsbereich des Flughafens von San Francisco ist Flug 261 lange von den Bildschirmen verschwunden. Mitarbeiter der Heilsarmee schleusen Angehörige der Absturzopfer an Kameras vorbei. In abgeschiedenen Räumen im Obergeschoss des Flughafens leisten Psychologen und Geistliche Beistand. Er sei ein Freund eines der Passagiere, sagt ein Wartender. "Ich bin hier, um herauszufinden, ob es irgendwelche Überlebenden gibt. Es könnte doch Überlebende geben", hofft er.
Unterdessen sucht man bei der Fluggesellschaft Alaska Airlines nach Erklärungen. Die zweimotorige Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-80 war 1992 gebaut worden. Sie sei regelmäßig überprüft, noch am Vortag des Absturzes sei sie gewartet worden, sagte Sprecher Jack Evans. In den vergangenen 30 Jahren hat Alaska Airlines nur zwei Unfälle erlebt. Beim Absturz einer Boeing 747 der Gesellschaft waren im September 1971 in der Nähe von Juneau in Alaska 111 Menschen ums Leben gekommen. Im April 1974 starb ein Mensch, als eine Boeing 727 in Ketchikan (Alaska) von der Landebahn abgekommen war.
Erst am Sonntagabend war ein Airbus der Kenya Airways vor der Elfenbeinküste abgestürzt. Zu den vermutlich 170 Opfern zählen Menschen aus 23 Nationen.
Anna-Barbara Tietz