Kalkofes Jahresrückblick Oktober 2008
Jörg Haider stirbt bei einem Autounfall
Einerseits darf man nicht über Tote lästern, aber man soll ja auch nicht lügen: Möge er in Frieden ruhen - und ich hoffe für ihn, dass es kein ausländisches Auto war.
Marcel Reich-Ranicki lehnt den Deutschen Fernsehpreis ab
Ich bin ein bisschen beleidigt. Ich sage seit Jahren quasi dasselbe wie Reich-Ranicki, aber weil ich noch keinen Preis gekriegt habe, den ich hätte ablehnen können und weil ich noch nicht 88 Jahre alt bin, interessiert das keine Sau.
Und dann tun beim Fernsehpreis alle Anwesenden und Hunderte Journalisten so, als wenn plötzlich die Erleuchtung über sie gekommen wäre: "Hey, der sagt, unser Fernsehen ist gar nicht so gut, wie sie das in den TV-Trailern immer behaupten!".
Aber die Vision, die Reich-Ranicki hat - "3sat" ist ihm schon zu flach, "arte" geht gerade so - die macht mir mehr Angst als Uri Gellers UFO-Show wöchentlich. Da dräut das totale öffentlich-rechtliche Bildungsfernsehen mit streng rationierter Unterhaltung der sechziger und siebziger Jahre wieder herauf.
Immerhin: Die Diskussion zwischen Reich-Ranicki und Gottschalk war die absurdeste Sendung des Fernsehjahres 2008: Man lässt den alten Mann eine halbe Stunde auf den Boden reihern, und Gottschalk darf zwischendurch die Gewölle wegputzen. Und dann mischt sich auch noch die Heidenreich ein, um ihm zuzustimmen, und kriegt dafür gleich vom ZDF und Ranicki selbst eins zwischen die Hörner.
Das Ergebnis des Ganzen: Verändert hat sich nichts, aber "Aspekte" fiel einmal aus und "Lesen!" ist abgesetzt - und die deutsche TV-Kultur noch toter als zuvor. Eine Implosion des Irrsinns.