Kameras installiert: Big Brother in Venedig - DER SPIEGEL
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Kameras installiert Big Brother in Venedig

Die jährlich etwa zwölf Millionen Besucher Venedigs werden künftig überwacht: Mit dem Anbringen von Videokameras will die Stadtverwaltung eine bessere Kontrolle des historischen Zentrums rund um den Markusplatz erreichen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Venedig - "Big Brother lässt grüßen", schreibt die italienische Zeitung "Corriere della sera" zu dem Überwachungssystem, das zum Auftakt des Karnevals erstmals erprobt worden war. Die Zahl der installierten Kameras soll nun von vormals 8 auf 16 erhöht und unter Umständen bald verdreifacht werden.

Bilder von flanierenden Touristen gelangen so über die elektronischen Augen in die Polizeizentralen und werden dort archiviert. Dadurch erhoffen sich die Ordnungshüter der "Serenissima", wie die Italiener ihre Lagunenstadt nennen, mehr Erfolge in der Jagd auf Vandalen, die sich an den Kunst- und Architekturschätzen der Stadt vergreifen.

Die neue Vernetzung soll auch dem Verkehr zugute kommen: Schon auf der Ponte della Libertá, der Verbindung des historischen Zentrums mit dem Festland, beginnt die Videoaufzeichnung, die gleichzeitig die Geschwindigkeit der Autos messen soll. Werden starke Verlangsamungen festgestellt, sollen Ampelschaltungen und aufleuchtende Warnschilder auf den Stau aufmerksam machen.

Bürgermeister Massimo Cacciari erntet aber herbe Kritik für seine Maßnahmen, und das nicht nur wegen der Kameras: In der Silvesternacht hatten sich auf dem Markusplatz rund 60.000 Menschen zum Feuerwerk versammelt. Cacciari sei persönlich aktiv geworden und habe Feuerwerkskörper beschlagnahmt und unzureichende Kontrollen der Polizei beanstandet, so der "Corriere". Die Polizei-Gewerkschaften kritisieren ihn deshalb mittlerweile als "Sheriff-Bürgermeister".