Kannibalen-Mord Polizei gräbt den Garten um
Kassel Gegen den Rotenburger wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Nach seiner Festnahme legte er ein umfassendes Geständnis ab, das er heute vor dem Haftrichter wiederholte. "Wir haben keinen Zweifel an der geistigen Verfassung", sagte Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung. Sonst wäre der Mann nicht in Untersuchungshaft, sondern in die Psychiatrie eingewiesen worden.
Bei der Wohnungsdurchsuchung stießen die Beamten auf tiefgefrorenes Menschenfleisch, Skelettteile und Videoaufnahmen. Weitere Leichenteile fand die Polizei im Garten. Das abgelegene Anwesen des Verhafteten im Rotenburger Ortsteil Wüstefeld wurde heute weiter durchsucht. Auch Nachbarn wurden befragt. Sie beschrieben den Mann als freundlich, höflich und gut gekleidet. Der 41-Jährige war zwölf Jahre Zeitsoldat in der Nähe von Rotenburg. Danach hatte er eine Weiterbildung zum Software-Experten gemacht und zuletzt bei einer Computerfirma in Karlsruhe gearbeitet.
Auf die Spur des mutmaßlichen Kannibalen stieß die Polizei bei einer Routinekontrolle im Internet. Ermittler wurden auf Anzeigen des 41-Jährigen aufmerksam. Darin suchte er jemanden, der sich von ihm töten und anschließend aufessen lassen würde. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung lautete der Anzeigentext des Computerfachmanns Armin M.: "Suche jungen, gut gebauten 18- bis 30-Jährigen zum Schlachten." Nach Angaben der Staatsanwaltschaft meldeten sich daraufhin sechs Interessenten. Eine der Zuschriften sei von der Polizei gewesen. Auf eine der ersten Anzeigen des 41-Jährigen hatte sich offenbar der 42-jährige Berliner Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen B. gemeldet. Der Staatsanwaltschaft zufolge galt er seit dem 9. Oktober 2001 als vermisst.
Laut Polizeibericht sollen die Männer die Tötung vor laufender Videokamera vereinbart haben. Der Berliner habe vermutlich selbst kannibalistische Neigungen gehabt. Den Angaben zufolge ließ er sich von dem Rotenburger erst das Geschlechtsteil abschneiden, dann sollen es beide verzehrt haben, bevor es zur verabredeten Tötung kam. Wie Staatsanwalt Jung berichtete, tötete der 41-Jährige den Mann mit Stichen und Schnitten in den Hals und zerstückelte die Leiche in Fleischportionen, die er einfror. Zum großen Teil habe er diese später aufgegessen. Weitere Leichenteile habe der 41-Jährige im Garten vergraben. Ermittlerkreisen zufolge hatte der Rotenburger in seinem Fachwerkhaus sogar einen Schlachtraum eingerichtet.