Kaprun 480 Vermisste gemeldet
Kaprun - Die Mitglieder des Skiclubs Kaprun hatten die schreckliche Gewissheit sofort: Ein Skilehrer, ein achtjähriger Junge sowie zwei Väter waren bei der Brandkatastrophe im Stollen der Kitzsteinhorn-Bahn zu Tode gekommen: Die anderen 35 Kinder und sechs Betreuer warteten vergebens an der Bergstation auf das Quartett, das im vorher fahrenden Wagen keinen Platz mehr gefunden hatten. Für viele Hundert andere Menschen begannen schreckliche Stunden der Ungewissheit.
Niemand weiß, wie viele Menschen in der Bergbahn waren. Die Menschen stünden eng wie die Sardinen - "manchmal hat man Platzangst", sagte der Leiter des Skiclubs, Walter Jäger. Der Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger sagte: "Es gehen 180 Menschen in den Zug. Es ist davon auszugehen, dass er voll gewesen ist auf Grund des schönen Wetters und einer Snowboard-Veranstaltung." Sicher war nur eines recht bald: Die Flammenhölle im Zug hat niemand überlebt.
Die Angehörigen bangen und zittern
Unzählige Menschen spannte die Unsicherheit auf die Folter: "Die Angehörigen bangen und zittern - es ist furchtbar", sagte Dorfpfarrer Peter Hofer. Rund 2500 Menschen waren zum Zeitpunkt des Unglücks bereits auf dem Gletscher. Mit einer Gondelbahn wurden sie allmählich zu Tal gebracht und registriert. Die Namen der Angekommenen wurden sofort telefonisch an die Helfer in der Jugendherberge weitergegeben.
Dort wurden auch Angehörige von Psychologen, Pfarrern und Notärzten betreut. Immer wieder kamen die Menschen am Rande der Verzweiflung zu den Helfern und fragten, ob ihre Tochter, ihr Mann nicht doch heil zurückgekommen sei. Gegen 17 Uhr kamen die Letzten unten an. Die Listen wurden ins Internet gestellt, über Telefon-Hotlines gaben Helfer ebenfalls Auskunft.
Doch am Sonntagmorgen waren noch 480 Personen vermisst gemeldet - dreimal so viele, wie es Opfer gab. "Viele Urlauber wollten vielleicht nach Kaprun. Aber als dann schon morgens die Bahn dicht war, sind viele gleich weitergereist, nach Tirol oder zum Dachstein", sagte Gemeindesprecherin Misha Hollaus. Mancher Skifahrer war auch unregistriert vom Berg zurückgekehrt. Besorgte Anrufer aus Deutschland hätten auch nach Menschen am Kitzsteinhorn gesucht, von denen sich später herausstellte, dass sie in Kitzbühel fröhlich Ski fuhren - "sie haben die Orte verwechselt". Debbie Bruce-Duncan war mit 30 Amerikanern aus Würzburg nach Kaprun gekommen. Am Samstag vermissten sie und die sechs anderen, die Shopping gegangen waren, ihre 23 Bekannten. Am Sonntag hatten sie Gewissheit: Ein frisch verlobtes Paar, eine Familie mit zwei Kindern und ein Mann aus ihrer Gruppe waren tot.
Von Roland Losch, AP