Karneval Brasilien tanzt wieder Samba
Rio de Janeiro - Die Karnevalssaison in Brasilien ist eröffnet: Rund 150.000 Menschen nahmen gestern im Zentrum von Rio de Janeiro an der ersten Straßenparade teil. Bei schwüler Hitze um die 40 Grad tanzten und sangen Menschen aller Rassen und Klassen um die Allegorie- und Musikwagen zu den Samba-Rhythmen des Karnevalsklubs "Cordao da Bola Preta" (Schnur des Schwarzen Balles).
Während der Karnevalswoche gibt es in Rio 30 Straßenumzüge. "Karneval ist das tollste. Danach kann ich ruhig tot umfallen, das ist mir egal", sagte die 88-jährige Mulattin Dodo.
Bekannter als die Straßenveranstaltungen ist im Ausland allerdings der zweitägige Umzug der Samba-Schulen im legendären Sambodromo-Stadion in den Nächten zum Montag und Dienstag. Das Defilee beginnt jeweils gegen 21 Uhr und endet nicht vor Sonnenaufgang. Erwartet werden an den zwei Tagen insgesamt 180.000 Zuschauer.
Jede Samba-Schule mobilisiert beim weltberühmten Umzug 80 Minuten lang rund 5000 Sänger, Tänzer und Statisten sowie viele Persönlichkeiten aus dem Showbusiness. Obwohl sie ausnahmslos in den Favelas von Rio sitzen, haben die Samba-Schulen auch in diesem Jahr jeweils um die zwei Millionen Euro für die Umzugsvorbereitungen ausgegeben.
Nach Angaben der Tourismusbehörde Riotur kommt zum diesjährigen Karneval die Rekordzahl von 680.000 Touristen aus dem In- und Ausland an den Zuckerhut. Hunderttausende Touristen besuchen auch den Nordosten Brasiliens, wo der Straßenkarneval - anders als in Rio - seit jeher der Höhepunkt ist. In Recife feierten in der Nacht zum Samstag bereits 2,5 Millionen Menschen.
Damit der Karneval in Rio so friedlich über die Bühne geht wie in den vergangenen Jahren, will die Polizei rund 33.000 Beamte auf Sonderpatrouille schicken. Während der tollen Tage nehmen in Brasilien der Sextourismus, die Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten und der Menschenhandel drastisch zu. Das Gesundheitsministerium hat in den vergangenen Tagen bereits landesweit 25 Millionen Kondome kostenlos verteilen lassen.
In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen haben außerdem das Justizministerium in Brasilia sowie einige Bundesstaaten wie Rio, Ceara und Goais eine Kampagne gegen Menschenhandel und Sextourismus gestartet. Wer mit der brasilianischen Airline Varig nach Rio kommt, hört im Flieger kurz vor der Landung eine Warnung. Allein während des vergangenen Karnevals gab es in Brasilien 14.376 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Nach einer Uno-Studie werden sehr viele junge Brasilianerinnen von Menschenhändlern vor allem nach Spanien, Italien und Portugal, aber auch in die Schweiz, USA, nach Japan, Frankreich und Israel gebracht.
cvo/dpa