Karneval Heidi Klum - eine intergalaktische Schönheit
Bergisch Gladbach/Köln - Verkleidet als lila "Alien" mit langen Wimpern ließ Heidi Klum beim Umzug in ihrer Heimatstadt auch kritische Stimmen verstummen. "Wir haben vereinbart, dass wenig Aufsehen gemacht wird", sagte Zugleiter Helmut Kraus im Vorfeld. So mancher Jeck hatte befürchtet, dass Klum ihm die Schau stehlen würde. Die ganze Aktion sei ein PR-Gag und habe mit bodenständigem Karneval wenig zu tun, hatte es im Vorfeld geheißen.
Ganz üblich ging es tatsächlich nicht zu. Begleitet von einigem Medienwirbel hatten am Mittag das 26-jährige Model und ihre Familie umringt von Journalisten ihren Wagen erklommen. Polizei wie technisches Hilfswerk standen bereit, um einzugreifen, falls sich ein Narr zur Schönen hinauf schwingen wollte.
"Mir macht der Rummel um meine Person nichts aus, ich hoffe meiner Familie auch nicht", sagte Klum. Tausende jubelten ihr mit "Alaaf- Heidi" und Kamelle-Rufen zu. Die Brünette dankte es ihnen mit strahlendem Lächeln und kistenweise Süßigkeiten.
Hunderttausende in Schunkellaune
Die Narren haben Hochkonjunktur. In Deutschland erbrachten Hunderttausende am Wochenende einmal mehr den Beweis: Nicht nur in Rio oder Venedig weiß man Karneval zu feiern. Vor allem am Rhein, in der Lausitz und im Thüringischen schunkelten sich die Kostümfetischisten und Pappnasenträger am ersten der drei tollen Tage bei Karnevalsumzügen für den Rosenmontag in Stimmung.
In Köln zeigten rund 11.000 kleine Jecken beim "Schull- und Veedelszog" ihre Kostüm- Fantasien. In Düsseldorf amüsierten sich rund 50.000 Verkleidete auf der Flaniermeile "Kö". In Aachen jubelten zehntausende dem Märchenprinzen Lorenz I. zu.
Tausende Narren sorgten am Sonntag in Cottbus für Stimmung beim größten ostdeutschen Karnevalsumzug. Trotz eines eiskalten Windes und vereinzelter Schneeflocken waren in der Lausitzer Faschingshochburg über 4000 Teilnehmer aus rund 80 Vereinen und Unternehmen von fünf neuen Bundesländern auf den Beinen. Bei Sonnenschein und kaltem Wetter startete der Große Frankfurter Fastnachtszug. Themen der Motivwagen waren der CDU-Skandal, die Krise der Eintracht Frankfurt, Genmanipulation und die Holzmann-Pleite. Etwa 250.000 Besucher An dem Zug nahmen knapp 80 Vereine mit etwa 7000 Mitgliedern teil. Mehr als 40 Spielmannszüge und Kapellen und etwa 50 Garden maschierten mit.
Rund 200.000 Menschen haben bei Karnevalsumzügen in Niedersachsen die Straßen gesäumt. Zum größten Karnevalsumzug Norddeutschlands kamen am Sonntag nach Polizeiangaben rund 175.000 Zuschauer nach Braunschweig. In der zweitgrößten Stadt Landes zogen fast 200 Gruppen und Wagen mit rund 3500 Akteuren in einem knapp sechs Kilometer langen Zug durch die Straßen.
In der Kaiserstadt Aachen jubelten Zehntausende dem Märchenprinzen Lorenz I. und seinem "Gefolge" begeistert zu. In einem 3,2 Kilometer langen Zug durch die Aachener Innenstadt demonstrierten rund 3000 Kinder und Jugendliche unter dem Zepter ihres Märchenprinzen mit Fantasie und Witz für grenzenlose Narrenfreiheit. Schwäbisch-alemannische Traditionsfasnet und rheinisch geprägter Karneval demonstrierten im Südwesten närrische Koexistenz.
Auch die Schattenseiten der "fünften Jahreszeit" haben Tradition: So kam an diesem Sonntag beim Ski-Fasching im bayerischen Spitzingsee ein Zuschauer ums Leben. Außerdem wurden fünf Personen zum Teil schwer verletzt. Ein großer dekorierter Schlitten war außer Kontrolle geraten und von der Piste abgekommen. Auf dem Unglücksschlitten saßen 15 Personen.