Karneval: Narr wirft Polizistin mit Schnapsdose k.o. - DER SPIEGEL
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Karneval Narr wirft Polizistin mit Schnapsdose k.o.

Seit 11.11 Uhr haben Faschingsmuffel nichts mehr zu lachen. In den Hochburgen von Karneval, Fasnet und Fasching machen Jecken die Straßen unsicher. Eine Polizistin wurde dabei von einem Wurfgeschoss getroffen. Und in Italien werden Narren von gemeinen fliegenden Orangen heimgesucht.
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Köln/Mainz/Venedig -  Unter begeisterten "Helau"- und "Alaaf"-Rufen starteten in Mainz und Köln die Rosenmontagszüge. Zu den Klängen des Narhallamarsches setzten sich in Mainz knapp 9500 Aktive aus 26 Vereinen und 28 Garden in Bewegung. Bei kühlem, aber trockenem Winterwetter säumten bereits am Vormittag Hunderttausende die Straßen der Innenstadt. In Köln gingen bei nasskaltem Wetter mit Schneeschauern rund 10.000 Teilnehmer, unter ihnen 3500 Musiker von 123 Kapellen, auf den Zugweg.

Der "närrische Lindwurm" in Mainz hat in diesem Jahr eine Gesamtlänge von rund sieben Kilometern. Besonderer Blickfang sind wie in jedem Jahr die Schwellkoppträger und die närrischen Garden in ihren prächtigen Uniformen. Als Höhepunkt des Zuges gelten darüber hinaus die berühmten Motivwagen, mit denen die Mainzer Narren sich über Ereignisse der großen und kleinen Politik lustig machen.

Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma hielt eine kurze Rede, ehe sich der Zug unter dem Motto "E Fastelovendsfoßballspill" ("Ein Karnevalsfußballspiel") auf den etwa sieben Kilometer langen Weg machte. Hunderttausende Narren hatten sich zuvor schon mit Singen und Schunkeln warm gehalten, insgesamt werden mehr als eine Million Zuschauer erwartet.

Auf rund 50 aufwendigen Kölner Persiflagewagen wurde das aktuelle Zeitgeschehen aufs Korn genommen. Einer der beiden bis zuletzt geheim gehaltenen Überraschungswagen zeigte Bundeskanzlerin Angela Merkel als Domina im Lack-Outfit - unter dem Motto "Michels selbst gewählte Domina" führte die Papp-Politikerin einen Nackten an einer Hundeleine vor sich her. Andere Wagen machten sich über die Fußball-Weltmeisterschaft und US-Präsident George W. Bush lustig.

Polizistin geht von Schnapsdose getroffen zu Boden

Erst um 13.45 Uhr begann der Rosenmontagszug in Düsseldorf. Unter dem Jubel der Narren machte sich der nach Aussage des "Comitees Düsseldorfer Carneval" größte Zug in der Geschichte der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt auf den rund sechseinhalb Kilometer langen Weg durch die Innenstadt zum Rathausufer. Unter anderem war Angela Merkel zu sehen, die in ihrem Dekolletee SPD-Chef Matthias Platzeck zerdrückte.

Eine 22 Jahre alte Karnevalistin hat die Polizei im thüringischen Sonneberg aus einem fremden Ehebett geholt. Die betrunkene Frau hatte sich in der Nacht in der Haustür geirrt, teilte ein Sprecher heute mit. Als die Anwohner sie hereinließen, zog sie sich unverzüglich nackt aus und legte sich ins nächste Bett. Den herbeigerufenen Beamten gelang es erst mit einem nassen Lappen, die Frau zu wecken und zum Anziehen zu bewegen. Sie begleiteten die Närrin dann zu ihrer Wohnung - 19 Hausnummern weiter.

Bei einem Faschingsumzug im Oberpfälzer Schnaittenbach haben maskierte Narren neben Bonbons auch mit Apfelschnaps gefüllte Dosen in die Zuschauermenge geworfen und dabei eine Polizistin schwer verletzt. Sie wurde mit einer Platzwunde über dem rechten Auge und einer Schädelprellung ins Klinikum Amberg eingeliefert, wie die Polizei mitteilte. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Alkohol war bei Elton John nicht im Spiel

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger wurde in Freiburg mit dem Narrenpreis der Breisgauer Narrenzunft ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde Oettingers erste Fastnacht im Amt des Regierungschefs. Die Laudatio auf den 52-Jährigen hielt der Grünen-Politiker Rezzo Schlauch, der den Narrenpreis vor einem Jahr erhalten hatte. "Günther Oettinger hat sich in den vergangenen Monaten närrisch genug gebärdet, damit er diesen Preis verdient hat", sagte Schlauch. Und Oettinger frotzelte zurück: "Das Beste bei den Grünen sind nicht die grünen Frauen, sondern die Frauen der Grünen."

Ein 22-jähriger Münchner hat im Karnevalstreiben auf der Düsseldorfer Königsallee eine lebensgroße Elton-John-Puppe aus einem Laden "entführt". Der bayerische Jeck wurde gestern Nachmittag mit der Wachspuppe auf der Prachtmeile "Kö" angetroffen. Er habe die Künstler-Puppe aus einer Einkaufsgalerie entwendet, berichtete die Polizei. Da die Figur erhebliche Beschädigungen aufweise, werde der Sachschaden auf etwa 15.000 Euro geschätzt. "Alkohol war erstaunlicherweise nicht im Spiel", hieß es im Polizeibericht.

Trotz winterlicher Kälte sind die Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fasnet zwischen Bodensee und Schwarzwald wieder fest in der Hand von Hexen, Hansele und Federhannes: In Rottweil zog der historische Narrensprung die Massen an. Punkt 8 Uhr stürzten mehr als 3000 Masken- und Hästräger aus dem Schwarzen Tor zum wilden Treiben in die Gassen der ehemaligen Reichsstadt.

Tango in Venedig, Orangen in Ivrea

Mit einem Hauch von Südamerika hat auch Venedig die letzten Tage seines bunten Karnevalstreibens eingeleitet. Unter dem Motto "Noche de tango argentino" (Nacht des argentinischen Tangos) haben Tänzer, Tango-Schulen und DJs aus Buenos Aires den Narren am Canal Grande kräftig eingeheizt. Die heißen Klänge ließen die Kälte und das schmuddelige Nieselwetter auf dem Markusplatz für ein paar Stunden vergessen. Zuvor hatten Kostümfans gestern bereits auf der großen Bühne des Platzes eine große Maskenparade mit über 500 Teilnehmern veranstaltet, berichteten italienische Medien.

Trotz des schlechten Wetters gilt der Karneval 2006 bereits als Rekord-Event. Gestern seien nach Angaben der Stadtverwaltung etwa 100.000 Schaulustige in die Lagunenstadt gekommen, und auch an den anderen närrischen Tagen seit der Eröffnung des Mummenschanzes am 18. Februar hätten Busse, Züge und Autos Schätzungen zufolge jeweils mehrere zehntausend Menschen nach Venedig gebracht.

Skurril und höchst eigenwillig hat die piemontesische Stadt Ivrea Karneval gefeiert. Einem uralten Brauch folgend, werfen sich mehrere Mannschaften des Ortes Tonnen von Apfelsinen um die Ohren. Wie jedes Jahr gab es bereits am ersten Tag der dreitägigen Orangenschlacht zahlreiche Verletzte: Insgesamt mussten sich 141 Teilnehmer ärztlich behandeln lassen. Der Apfelsinen-Ritus geht ins Mittelalter zurück, als die Bewohner von Ivrea einen ungeliebten Feudalherren mit Bohnen als Wurfgeschossen aus dem Ort vertrieben haben sollen. Die Schlacht geht morgen zu Ende.

dab/dpa/AP