Karneval Topless in Rio
"Topless beherrscht diesen Karneval", staunte am Montag in großen Lettern und auf Seite eins die seriöse Zeitung "O Globo". Zu den rund 70.000 Zuschauern im "Sambodromo"-Stadion im Zentrum der Stadt am Zuckerhut zählten am ersten von zwei Parade-Tagen Sonntagnacht (Ortszeit) Modestars wie Jean Paul Gaultier und Kate Moss sowie Fußball-Idole wie der Brasilianer Edmundo. "Diese tollen Kostüme hier werden mich bei meiner Arbeit inspirieren, Karneval in Rio ist einmalig und wirklich die größte Party der Welt", meinte der Franzose Gaultier.
Insgesamt 14 Samba-Schulen nehmen an dem zweitägigen Umzug teil, der in Brasilien das öffentliche Leben lahm legt und so ernst genommen wird wie die nationale Fußballmeisterschaft. Eine Jury wird am Mittwoch die Sieger-Schule bekannt geben. Die Parade würdigt in diesem Jahr den 500. Jahrestag der Entdeckung Brasiliens und die Geschichte des südamerikanischen Landes.
Die Samba-Schulen, die "Escolas", die in den Elendsvierteln Rios ihre Wurzeln haben, gaben zusammen mit der Stadt 25 Millionen Real (rund 28 Millionen Mark) für die Vorbereitungen aus. Menschen, die in Slums leben und mit dem Mindestgehalt von 136 Real (etwa 150 Mark) im Monat auskommen müssen, zahlten für ihre prächtigen Kostüme bis zu tausend Mark.
Karneval ist aber für Schulen und Stadt ein exzellentes Geschäft: Der TV-Sender "Globo" blätterte für die Übertragungsrechte umgerechnet 4,5 Millionen Mark hin, Firmen zahlten bis zu 500.000 Mark für Werbung. Internet-Provider sind in diesem Jahr erstmals mit Live-Übertragungen dabei. Ganz Brasilien erwartete zu diesem Karneval einen Rekord-Besuch von 1,7 Millionen Touristen, 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Touristen werden nach amtlicher Schätzung insgesamt 540 Millionen US-Dollar ausgeben.
Der Karneval in Rio ist zwar der berühmteste weltweit, doch auch in anderen Städten Brasiliens wird groß gefeiert. In der nordöstlichen Provinzhauptstadt Recife etwa versammelten sich allein am vergangenen Samstag bei einem Umzug rund zwei Millionen Menschen auf den Straßen.