Karolina-Prozess Mutter gesteht Folterung ihrer Tochter
Memmingen - Unter Tränen gestand die 26 Jahre alte Mutter heute die Misshandlungen ihres Kindes. Ihr Freund Mehmet A. habe Karolina mit der Hand oder mit einem Gürtel grün und blau geprügelt und sie mit dem Kopf gegen die Wand und gegen Möbel geschlagen. Außerdem habe er Karolina in eiskalte Räume gesperrt. "Tag und Nacht hat er sie geschlagen", berichtete die Polin teils in gebrochenem Deutsch, teils auf Polnisch.
Ihr Ex-Lebensgefährte sei eifersüchtig auf ihre Tochter gewesen, die aus einer früheren Beziehung gestammt habe. Er habe mehrere Male gedroht, den "Bastard" umzubringen - durch Kreuzigen, Erwürgen oder Erstechen. Zaneta C. schilderte, wie ihr drogensüchtiger Ex-Partner Karolina mit glühenden Verschlüssen von Methadon-Flaschen versengt habe. Er habe verrückt gewirkt. "Er hat richtig Schaum vor dem Mund gehabt."
Die Angeklagte sagte weiter, sie habe sich geweigert, sich an den Misshandlungen zu beteiligen. Ihr Partner habe gedroht, auch sie umzubringen, und ihr ein Schwert an die Kehle gedrückt. Daraufhin habe sie ihrer brüllende Tochter den Mund zugehalten.
Laut Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner fand sich Karolinas Mutter mit den lebensgefährlichen Misshandlungen des Kindes ab, "um einen offenen Konflikt mit ihrem Freund zu vermeiden". Sie habe auch niemanden um Hilfe gebeten. Zaneta C. begründete dies mit der Gewalttätigkeit ihres Freundes. "Ich hatte keine Chance", sagte die 26-Jährige. Drei Tage vor Karolinas Tod duschte Mehmet A. laut Anklage die Kleine, die sich in die Hose gemacht hatte, zur Strafe mit fast 60 Grad heißem Wasser ab. Dann rasierten die beiden Karolina die blonden Haare ab, von denen der 31-Jährige ihr schon zuvor die Hälfte ausgerissen haben soll. Nach weiteren grausamen Misshandlungen soll er die am ganzen Körper mit Schwellungen und Verletzungen übersäte Karolina bewusstlos geschlagen haben.
Anschließend fuhr das Paar das sterbende Kind in die Weißenhorner Klinik, legten es auf einer Toilette ab und flüchteten nach Italien, wo sie vier Tage später gefasst wurden. Karolina, die nur zufällig entdeckt worden war, starb an ihren schweren Hirnverletzungen, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.
Auch Mehmet A. legte heute ein Teilgeständnis ab. Er gab zu, das Kind von Zeit zu Zeit geschlagen zu haben. Allerdings warf er Karolinas Mutter vor, das Kind ebenfalls erheblich misshandelt zu haben. "Ich habe etwas gemacht, was ich mir niemals verzeihe", sagte der 31-Jährige vor Gericht. Karolinas Mutter beschuldigte er, regelmäßig zu viel Alkohol getrunken zu haben. Dann habe sie oft «das Spinnen» angefangen und ihr Kind geschlagen.
Zuvor hatte der Türke dem Gericht von seiner früheren Drogensucht berichtet. Wenn er Heroin, Kokain oder später Methadon genommen habe, "habe ich mich nicht mehr unter Kontrolle gehabt". Er habe immer wieder Entziehungskuren gemacht - ohne Erfolg. "Ich wollte ein anständiges Leben führen", betonte der Angeklagte.
Der Prozess wird voraussichtlich vier Tage dauern. Rund ein Dutzend Zeugen und vier Sachverständige sollen gehört werden.