Katamaranunfall Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf
Emden - Wie konnte es zu dem Unglück auf der Helgoland-Fähre kommen? Nachdem bereits am Dienstag die Wasserschutzpolizei die "MS Polarstern" untersucht hatte, ist nun auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bislang ermittelt die Behörde noch gegen Unbekannt, sagte Sprecher Werner Kramer. Es werde wohl darauf hinauslaufen, dass gegen den Kapitän vorgegangen werde. Nicht auszuschließen seien auch Maßnahmen gegen die Reederei.
Die Untersuchungen stehen laut Kramer noch ganz am Anfang. Sie werden wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Seeverkehr geführt. Derweil wird das Hochgeschwindigkeitsschiff "MS Polarstern" von Spezialisten untersucht. Am Montagabend hatte auf offener See eine große Welle die vordere Reling losgerissen und so gegen eine Panoramascheibe geschlagen, dass diese zerborsten war.
Wie das Hamburger Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Mittwoch mitteilte, waren Wellen zum Zeitpunkt des Auslaufens des Hochgeschwindigkeitskatamaran im Schnitt 3,20 Meter hoch. Die höchsten Brecher hätten mehr als fünf Meter erreicht. Nach Angaben der "Polarstern"-Reederei AG Ems sind 2,50 Meter hohe Wellen die Höchstgrenze für ein Auslaufen. "Wir müssen noch klären, ob der Kapitän diese Werte kannte", hieß es bei der AG Ems.
Der zeitweilig kritische Zustand eines der drei schwerverletzten Passagiere hat sich nach Angaben der Wasserschutzpolizei Emden inzwischen stabilisiert. Bei dem Unglück am Montagabend auf der Rückfahrt von Helgoland nach Ostfriesland waren laut der Reederei AG Ems 357 Passagiere und zehn Besatzungsmitglieder an Bord. 24 von ihnen wurden verletzt, drei davon schwer.
Am Dienstag hatte die Reederei erklärt, die Vorhersagen für Montagnachmittag hätten "nordwestliche Winde der Stärke 6 bis 7 bft mit signifikanten Wellenhöhen bis 2,5 Meter" erwartet. Nach Angaben des Germanischen Lloyd, der die "MS Polarstern" klassifizierte, ist das Schiff für eine maximale Wellenhöhe von 2,50 Metern gebaut.
Laut Reederei nahm der Seegang auf der Rückreise zu und der Kapitän passte die Geschwindigkeit dem Wetter so an, dass er nur noch mit etwa halber Fahrt, also rund 18 Knoten, unterwegs war. Viele Fahrgäste hatten wegen der starken Bewegungen des Schiffs mit Übelkeit zu kämpfen.
han/AP/dpa