Katastrophe im Hochland: Hunderte Tote bei Erdbeben in China - DER SPIEGEL
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Katastrophe in China: Beben im Morgengrauen

Foto: FREDERIC J. BROWN/ AFP

Katastrophe im Hochland Hunderte Tote bei Erdbeben in China

Das Beben überraschte die Menschen im Schlaf, mancherorts sind fast alle Häuser eingestürzt: Heftige Erdstöße haben den Nordwesten Chinas erschüttert. In TV-Berichten aus der Provinz Qinghai ist von rund 300 Toten die Rede - es wird befürchtet, dass die Zahl noch steigt.
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Nordwestchina

Peking - Die ersten Informationen aus sind erschreckend: Bei einem schweren Erdbeben sind am Mittwoch mindestens 300 Menschen ums Leben gekommen, 8000 Menschen wurden verletzt. Die Erdstöße, die laut der US-Erdbebenwarte eine Stärke von 6,9 erreichten, überraschten die Menschen in den frühen Morgenstunden in der tibetischen Präfektur Yushu in der Provinz Qinghai.

Tibet

Die Zahl der Toten und Verletzten dürfte noch steigen. Zahlreiche weitere Menschen seien unter den Trümmern ihrer eingestürzten Häuser begraben, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua aus der abgelegenen Provinz an der Grenze zu . Ein Sprecher der Katastrophenzentrale in Yushu sagte: "Die meisten Häuser sind eingestürzt. Wir suchen nach Verschütteten."

In den Städten Yushu und Jiegu sind nach Radioberichten zwischen 80 bis 90 Prozent der Häuser zerstört. "Mein Haus zitterte gewaltig, dann stürzte es ein", berichtete der Vizenachrichtenchef des Fernsehens von Yushu, Karsum Nyima, der unverletzt davongekommen war. "Die Häuser hier sind meist aus Holz und Lehm gebaut", sagte der Funktionär im Staatsfernsehen. "Fast alle Häuser sind eingestürzt." Er beschrieb die Lage als chaotisch. "Die Menschen sind alle auf den Straßen, stehen vor den Trümmern ihrer Häuser." Viele suchten verzweifelt nach Verwandten.

Risse im Staudamm

"Es wird geschätzt, dass es hohe Opferzahlen gibt, weil das Erdbeben am frühen Morgen passierte und viele der Bewohner noch nicht aufgestanden waren", sagte der Experte des nationalen Erdbebenamtes in Peking, Sun Shihong, der Nachrichtenagentur Xinhua. Ein Offizier berichtete, Schüler von Grundschulen seien unter den Verschütteten. Die Zahl sei nicht bekannt. "Wir müssen die Trümmer vor allem mit unseren bloßen Händen wegräumen, da wir keine Bagger haben", sagte der Offizier laut Xinhua. "Wir haben auch keine medizinische Ausrüstung."

Der lokale Kommandeur der Volksbefreiungsarmee, Wu Yong, berichtete: "Unsere Leute haben zehn Menschen aus eingestürzten Häusern gezogen, aber vier von ihnen waren bereits tot." Das Militär baue Zelte auf und bereite sich darauf vor, Verletzte zu behandeln. "Aber die Straßen zum Flughafen sind auch beschädigt, was die Rettungsarbeiten behindern wird." Die Rettungsarbeiten würden durch zerstörte und von Erdrutschen blockierte Straßen erschwert, hieß es. In einem Staudamm auf der Hochebene seien Risse festgestellt worden. Im Bezirk Yushu leben rund 80.000 Menschen.

Die Region auf dem tibetischen Hochplateau ist zwar dünn besiedelt, doch lag das Epizentrum nahe der Städte Yushu und Jiegu. Vor dem Beben hatten in den Morgenstunden bereits kleinere Erdstöße der Stärke 4,7 die Region erschüttert und könnten die Bewohner vorher alarmiert haben. Kommunikationsverbindungen ins Erdbebengebiet waren gestört, berichtete die Provinzregierung in der 800 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Xining. Mindestens drei größere Nachbeben wurden registriert.

An die Provinz Qinghai grenzt die Provinz Sichuan, wo im Mai 2008 bei einem verheerenden Erdbeben knapp 87.000 Menschen getötet oder vermisst gemeldet wurden. Rund 375.000 Menschen wurden verletzt und Millionen obdachlos.

phw/jdl/dpa/AFP