Katastrophe in Franken Verschütteter Tanklaster droht zu explodieren
Lehrberg - Bei der Explosion eines Flüssiggastanks im mittelfränkischen Dorf Lehrberg im Kreis Ansbach ist mindestens ein Mann ums Leben gekommen. 16 Anwohner und Rettungskräfte wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht. Der Tote wurde nach Angaben von Helfern unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses geborgen.
Rund um die Unglücksstelle mitten im Ortskern herrsche weiter "akute Explosionsgefahr": Dort stehe ein halb verschütteter und stark beschädigter Lkw, aus dem Gas austrete. Die Feuerwehr kämpft, um die Gefahr einzudämmen, geht aber von langwierigen Rettungsarbeiten aus. Im Rathaus hat die Polizei eine Betreuungsstelle für Angehörige eingerichtet. In Lehrberg leben 3100 Menschen, das Dorf wurde weiträumig abgesperrt.
Warum der Gastanklaster heute Morgen an der Unglücksstelle stand, ist noch unklar. Die Polizei nimmt an, dass der Gastank eventuell befüllt oder gewartet wurde.
Ein Sprecher der Polizei sagte, noch immer würden sechs bis zwölf Menschen vermisst. Nach ihnen sucht eine Rettungshundestaffel des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). "Wir wissen nicht, wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Unglücks in dem Café oder der Bäckerei aufhielten", sagte ein Sprecher der Polizei zu SPIEGEL ONLINE. Das Café sei im Dorf sehr beliebt gewesen.
Die Helfer graben mit Baggern und mit bloßen Händen in den Trümmern, um die Verschütteten zu finden. Im Einsatz sind drei Rettungshubschrauber und viele Kranken- und Rettungswagen. Allein 300 Helfer des Roten Kreuzes sind in dem Ort.
Vermisst werden unter anderem die Bäckerfamilie und die Angestellten der Bäckerei. Für den Ort sei der Katastrophenfall ausgerufen worden, sagte Landrat Rudolf Schwemmbauer. "Es ist unwahrscheinlich, noch Überlebende zu finden, weil der Explosionsdruck so groß war. Den Druck hat man noch vier bis fünf Kilometer entfernt gespürt", sagte Georg Schmidt, Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, der zu der Unglücksstelle gereist war.
Die Dorfmitte wurde völlig verwüstet
Gegen 8 Uhr war die Feuerwehr wegen eines undichten Außengastanks, der sich zwischen einer Metzgerei und einer Bäckerei befand, alarmiert worden. Anwohner hatten Gasgeruch bemerkt. Aus dem Erdtank einer benachbarten Gastwirtschaft, der mehrere tausend Liter Flüssiggas fasst, trat durch ein Leck Gas aus. Als die Feuerwehr versuchte, die Gaswolke mit Wasser niederzuspritzen, flog der Tank im Hof des Anwesens in die Luft. Anwohner berichteten von einem lauten Knall und einer immensen Druckwelle. Das angrenzende Wohnhaus, in dem sich die Bäckerei mit einem Café befand, stürzte bis auf die Grundmauern ein. Das Nebengebäude fing Feuer. Von dem älteren Haus blieb nur ein Trümmerhaufen übrig, der Dachstuhl ragt wie ein Gerippe heraus.
Auch ein dahinterliegender Scheunenkomplex wurde vollständig zerstört. Insgesamt wurden zwölf angrenzende Gebäude erheblich beschädigt, Dächer abgedeckt, Wände eingedrückt. Etliche Glasscheiben barsten, auch die Fenster in einer nahen Kirche.
han/ddp/AP/AFP