Katastrophe in Minneapolis: US-Verkehrsministerin lässt morsche Brücken prüfen - DER SPIEGEL
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Katastrophe in Minneapolis US-Verkehrsministerin lässt morsche Brücken prüfen

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Minneapolis hat das US-Verkehrsministerium eine Überprüfung ähnlicher Bauwerke angeordnet. Die Taucher kommen an der Unglücksstelle im Mississippi nur langsam voran: Trübes Wasser, heftige Strömungen und scharfkantige Trümmer gefährden die Helfer.
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Minneapolis - Einen Tag nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Minneapolis kommt die Suche nach den Vermissten nur zäh voran. Allen Anstrengungen zum Trotz konnten die Suchmannschaften nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP gestern nur eine einzige weitere Leiche bergen. Der Mann sei in einem Auto eingeklemmt gewesen, das mitsamt der Asphaltdecke der Brücke in den Mississippi gestürzt sei. Eine offizielle Bestätigung wird heute erwartet.

Die Brücke war am Mittwochabend mitten im Berufsverkehr plötzlich eingebrochen und hatte Menschen und Fahrzeuge ohne Vorwarnung mit sich in die Tiefe gerissen. Vier Leichen wurden bereits am Mittwoch geborgen, bis zu 30 weitere Menschen galten zunächst als vermisst. Die Rettungsmannschaften haben keine Hoffnung mehr, eines der Opfer lebend bergen zu können. Sie sahen mehrere in ihren Fahrzeugen oder unter Beton verkeilte leblose Körper, konnten aber wegen der reißenden Flussströmung und der instabilen Brückenreste nicht zu den Opfern vordringen.

Wie viele Autos unter den Trümmern der Brücke liegen, können die Helfer noch nicht sagen. Sie gehen aber von rund 50 aus. Autos mit Insassen sollen nun so schnell wie möglich aus dem Wasser gezogen werden. Leere Fahrzeuge markieren die rund 15 Taucher und lassen sie zunächst auf dem Grund des Flusses. Von acht Menschen fehlt nach Angaben von CNN noch immer jede Spur. Schätzungen der Einsatzkräfte zufolge könnte die Suche noch mehrere Tage andauern. Am Ufer des Mississippi stehen Dutzende verstörte Angehörige, einige halten Fotos der Vermissten oder Zettel mit dem Autokennzeichen in den Händen.

Etliche Politiker und schließlich auch das US-Verkehrsministerium haben inzwischen zur Überprüfung sämtlicher Brücken gleicher Bauart aufgerufen. Ressortchefin Mary Peters unterzeichnete gestern eine entsprechende Aufforderung an die zuständigen Behörden der einzelnen US-Staaten. Empfohlen werden darin Inspektionen aller Brücken ähnlichen Konstruktionstyps wie diejenige, bei deren Einsturz am Mittwoch mindestens vier Menschen ums Leben kamen. Man werde alles unternehmen, um sicherzustellen, "dass so etwas nie wieder passiert", sagte Peters. Einem Ministeriumssprecher zufolge gibt es in den USA etwa 700 ähnliche Konstruktionen. Als kritisch gilt insbesondere die Spannweite von rund 140 Metern.

Auch andere hochrangige US-Politiker hatte sich für eine Überprüfung der in die Jahre gekommenen Verkehrswege des Landes stark gemacht. "Wir sollten diese Tragödie als Weckruf begreifen", sagte der Chef der Demokraten im US-Senat, Harry Reid, gestern. "Wir haben im ganzen Land eine bröckelnde Infrastruktur. Das betrifft Autobahnen, Brücken und Dämme." Die Gouverneure von zumindest vier Bundesstaaten - Illinois, Iowa, Minnesota und Pennsylvania - haben bereits neue Prüfungen von Brücken angeordnet oder erwägen dies.

Die Probleme bei der Verkehrs-Infrastruktur sind nicht neu. Schon 2002 hatte es in einem Bericht des Transportministeriums geheißen, etwa 30 Prozent der Autobahn-Brücken des Landes hätten Mängel. Die US-Ingenieursvereinigung äußerte sich 2005 ähnlich. Sie schätzen, dass die USA etwa 1,6 Billionen Dollar ausgeben müssten, um die Verkehrswege in einen akzeptablen Zustand zu versetzen.

ffr/AFP/AP/Reuters