Katastrophenalarm: Wassermassen bedrohen Dresden - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Katastrophenalarm Wassermassen bedrohen Dresden

Schlimme Erinnerungen werden wach. Nach heftigen Regenfällen und starker Schneeschmelze droht entlang der Elbe und der Donau ein verheerendes Hochwasser. In Dresden erwarten Experten die höchsten Pegelstände seit der Flutkatastrophe 2002. In Passau stehen schon viele Straßenzüge unter Wasser.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dresden - Die Hochwassersituation an der Elbe hat sich heute zugespitzt. Der Landkreis Sächsische Schweiz rief Katastrophenalarm aus, die Stadt Dresden wird ebenfalls wohl bald die höchste Warnstufe ausgerufen. In Schöna sollte das Wasser bis zum Abend die Sieben-Meter-Marke überschreiten, in Dresden rechneten die Experten mit bis zu 6,30 Metern. Ab morgen wird an beiden Pegeln mit der höchsten Alarmstufe gerechnet. Der Grenzübergang Schmilka und weitere Straßen wurden für den Verkehr gesperrt.

Das sächsische Hochwasserzentrum korrigierte seine frühere Vorhersage kräftig nach oben. Bis Freitagabend rechnen die Flutexperten in Schöna mit bis zu 8,60 Metern, am Pegel Dresden mit bis zu 7,65 Metern. Normal sind etwa zwei Meter. Bei der Jahrhundertflut im August 2002 war in Dresden ein Höchststand der Elbe von 9,40 gemessen worden. Abgesehen davon wurde die Sieben-Meter-Marke in Dresden seit 65 Jahren nicht mehr erreicht.

Sollte die Vorhersage zutreffen, werden auch Dresdner Wohngebiete überflutet. In der Stadt begannen Bewohner und Feuerwehr damit, Häuser mit Sandsäcken zu sichern. In Dresden und Meißen wurden ufernahe Straßen gesperrt. In Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz errichteten Helfer Hochwasserschutzwände, die ersten Häuser werden evakuiert.

"Wir sehen nach wie vor keine Scheitelausbildung", sagte eine Sprecherin des Hochwasserzentrums. An den Pegeln auf tschechischer Seite sei kein Ende des Anstiegs erkennbar. Erschwerend komme hinzu, dass im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe bis morgen kräftige Niederschläge von bis zu 20 Liter pro Quadratmeter erwartet würden. Zudem verlaufe die Schneeschmelze wesentlich schneller als zuletzt vorhergesagt.

Land unter in Passau

Auch in Bayern traten zahlreiche Flüsse über die Ufer. Im am schlimmsten betroffenen Passau, wo Donau, Inn und Ilz zusammenfließen, stabilisierte sich die Lage. Allerdings blieb der Wasserstand deutlich über dem Wert für die höchste Warnstufe. Einige Straßen und Häuser in der Altstadt standen unter Wasser. Der Pegel blieb unter der ursprünglich erwarteten Neun-Meter-Marke.

Viele Straßen waren gesperrt, Parkhäuser in Ufernähe wurden geschlossen. Insgesamt blieb das Hochwasser deutlich unter der Marke des vergangenen Sommers und etwa zwei Meter unter dem Stand beim Rekordhochwasser vom Spätsommer 2002. Ein Sprecher der Stadt nannte die Lage "nicht katastrophal". Einige Geschäfte an den Ufern hätten leergeräumt werden müssen, Wohngebiete seien nicht betroffen.

Etwa 150 Helfer von Feuerwehr und THW errichteten in einigen Gassen der Altstadt Stege und dichteten Hauseingänge mit Sandsäcken ab. Feuerwehr-Chef Dieter Schlegel sagte, die Barrieren seien auf einen Wasserstand von 9.20 Meter ausgelegt. Der Hochwassernachrichtendienst hielt nochmals steigende Pegel in Ostbayern für möglich, da weitere Regenfälle erwartet würden.

Auch in anderen Regionen Bayerns kam es zu kleineren Überschwemmungen. Nach Angaben des Nachrichtendienstes wurde an den Donau-Zuflüssen Rott, Regen und am Obermain mitunter die Hochwassermeldestufe drei erreicht, bei der vereinzelt Gebäude bedroht sind und einige Straßen gesperrt werden müssen.

Tschechien rüstet sich für die Flut

In der tschechischen Hauptstadt Prag wappnen sich die Einwohner ebenfalls gegen das Hochwasser. Hunderte von Freiwilligen schichteten Sandsäcke auf und bereiteten die Räumung von Gebäuden entlang der Moldau vor. Die Behörden hoffen, dass ein inzwischen installiertes Hochwasserschutzsystem seine Bewährungsprobe besteht.

In Zbraslav am Rand der tschechischen Hauptstadt mussten heute die ersten fünf Wohnhäuser evakuiert werden. In weiteren 105 Gebäuden wurde die Räumung vorbereitet, wie Ortsbürgermeister Petr Valenta mitteilte. Auch der Prager Zoo traf Vorkehrungen, um die Gorillas und andere Tiere in Sicherheit zu bringen. Die Scheitelwelle des Moldau-Hochwassers wird für morgen erwartet.

Das an der Elbe gelegene Chemiewerk Spolana drosselte vorsorglich seine Produktion, wie ein Firmensprecher mitteilte. Bereits gestern ertrank ein fünfjähriger Junge in Bonov, 120 Kilometer südöstlich von Prag.

Ursache des Hochwassers sind die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage in Verbindung mit der Schneeschmelze. In Niederösterreich stieg der Pegel der Donau. Im Waldviertel brach in der Nähe der Stadt Raabs ein Damm der Thaya. In Linz wurden etwa 40 Autos von einem tiefer gelegenen Messegelände abgeschleppt.

ffr/ddp/reuters/AP/dpa