Katastrophenversorgung Hunderttausende warten auf Hilfe
Neu Delhi - Es werde noch etwa drei Tage dauern, bis alle der rund 700.000 von der Flut Betroffenen in Sri Lanka mit Nahrungsmitteln und sauberem Wasser versorgt werden können, berichtete der Uno-Nothilfekoordinator Jan Egeland. Noch deutlich mehr Zeit werde vergehen, bis die internationale Hilfe tatsächlich alle der rund eine Million Notleidenden in Indonesien erreiche, sagte Egeland.
Die Helfer benötigen unter anderem mehr Hubschrauber, um Hilfsgüter in abgelegene Gebiete bringen zu können. Die Uno richtete inzwischen eine Luftbrücke für die am härtesten betroffene indonesische Insel Sumatra ein. Probleme gibt es auch bei der Koordinierung von Hilfslieferungen. In Südindien stapelten sich stellenweise alte Kleidung und vergammeltes Essen entlang von Straßen, berichtete die Zeitung "Hindustan Times". Freiwilligen-Organisationen im ganzen Land hätten in Eile gebrauchte Kleidung und gekochtes Essen in Dörfer gebracht. Doch das sei nicht das, was jetzt gebraucht werde. Dringender benötigt würden vor allem mehr mobile Toiletten, Reis, Vitamin-Präparate, Matratzen und Decken.
Insgesamt müssten inzwischen rund 1,8 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden, teilte die Uno mit. Zugleich gelte es, die Versorgung mit sauberem Wasser zu garantieren, um Cholera-Epidemien zu verhindern. Nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerkes Unicef leiden in der Region allein 700.000 Kinder an Krankheiten, Nahrungs- und Wassermangel, Verletzungen oder Traumata. Viele Betroffene in Aceh können weiter nur aus der Luft versorgt werden. Vom Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" aus werden die Menschen seit Samstag über US-Hubschrauber versorgt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht weiter davon aus, dass in dem Krisengebiet am Indischen Ozean etwa fünf Millionen Menschen von jeder Grundversorgung abgeschnitten sind. Unterdessen musste das indonesische Gesundheitsministerium dem US-Nachrichtensender CNN zufolge die Zahl der Toten auf mehr als 94.000 korrigieren. Bisher waren für die Insel Sumatra etwa 80.000 Tote angegeben worden. Damit sind laut CNN bei der Katastrophe mehr als 155.000 Menschen gestorben.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan sprach vom "schlimmsten Desaster, mit dem die Vereinten Nationen je zu tun hatten" und kündigte für Donnerstag eine internationale Geberkonferenz in der indonesischen Hauptstadt Jakarta an.
Die internationalen Hilfszahlungen und Zusagen an Finanzmitteln sind inzwischen auf mehr als zwei Milliarden Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro) gestiegen. Unter Koordinierung der Uno versuchen in den zwölf betroffenen Ländern Hunderte Organisationen zu helfen. Annan geht davon aus, dass der Wiederaufbau in den Krisengebieten fünf bis zehn Jahre dauern wird.