SÜCHTIGE DES JAHRES Kate Moss
Es war das berühmte Foto zu viel, mit dem Kate Moss im September dieses Jahres auf der Titelseite der britischen Boulevardzeitung »Daily Mirror« landete: eine Strähne ihres blonden Haars sorgsam hinter das rechte Ohr gesteckt, die Knie wie beim Nachmittagstee fein parallel gestellt, nur dass vor ihr keine Porzellantasse stand, sondern ein paar Linien Kokain ausgelegt waren. Die Szene, fotografiert mit einem Handy um zwei Uhr früh in einem Aufnahmestudio im Londoner Stadtteil Chiswick, verkaufte der Dealer für ein paar hunderttausend Pfund an die Medien und trieb »Cocaine Kate«, wie sie die englischen Zeitungen nun nannten, an den geschäftlichen Abgrund. H & M und Chanel kündigten ihre Verträge, Moss verbarrikadierte sich in einer Drogenklinik in Arizona, mit einem Tagessatz von 4000 Dollar - nur weit unter dem, den das Modell selbst in besseren Tagen verlangt hatte. Zu Hause in England fand sich Kokain jetzt überall: auf den Toiletten des Labour Parteitags, angeblich in der Vergangenheit der neuen Tory-Superstars David Cameron und George Osborne. Gegen diese große Koalition der Droge hatten auch die strengsten Sittenwächter keine Chance mehr - ein paar Monate nur nach ihrem hysterisch herbeigeschriebenen Karriereende durfte Moss schon wieder für den heiligen Schrein der Branche arbeiten, den Pirelli-Kalender. Der linksliberale »Guardian« schrieb: »Wenn sie ein Kerl wäre, würde man sie jetzt zum Ritter schlagen«, und der Virgin-Konzern engagierte sie für seine neue Handy-Werbung. Die Spots sollen erstmals zu Weihnachten ausgestrahlt werden. Moss wird keinen davon sehen. Sie verbringt die Ferien in einem Luxus-Spa in Thailand, Tagessatz 750 Dollar, mit ein paar Tassen Tee. Geld, so scheint es, ist die umwerfendste Droge von allen.