Klüger werden mit: Katja Kullmann
SPIEGEL: In ihrem Bestseller »Generation Ally« unterstellen Sie den Töchtern der 68er-Mütter mangelnde Emanzipiertheit und Egoismus. Was ist falsch gelaufen?
Kullmann: Die Töchter der Emanzipation haben die Vokabeln ihrer Elterngeneration abgelegt. Begriffe wie Solidarität sind nicht en vogue. Stattdessen sehen die 30-Jährigen sich gern als »Ego-Taktiker«, jede ist ihres Glückes Schmied. Dabei vergessen sie, dass es ihnen allen gleich geht, dass sie in diesem Sinne auch Teil einer Masse sind.
SPIEGEL: Sie behaupten, die Frauen zwischen 25 und 35 bastelten alle »an ihrem persönlichen Fräuleinwunder«. Was ist das?
Kullmann: Madonna ist das Frauen-Vorbild, auf das sich alle einigen können: Sie ist Popstar, Schauspielerin, Ehefrau und Mutter. Solche Ikonen vermitteln den Eindruck, dass alles bloß eine Frage der Organisation ist. Tatsächlich verschwinden Frauen, sobald sie ein Kind kriegen, häufig in der Teilzeitfalle. Sie sind die doppelbelasteten Samurais der postmodernen Welt. Aber statt wütend zu werden, tragen sie T-Shirts mit »Zicken«-Aufdruck.
SPIEGEL: Bücher, die das Wort Generation im Titel führen, sind in Mode. Erklärt das auch den Erfolg Ihres Buchs?
Kullmann: Immerhin scheint mein Buch die Existenz einer Generation von Mittelstandsfrauen zu beweisen. Flotte Arbeitsbienen sind das, die eher »Cosmopolitan« lesen als »Emma«.
SPIEGEL: Lautet Ihr Appell: Werdet wieder politisch?
Kullmann: Ich habe formuliert, was viele insgeheim spüren: Wir sehnen uns nach Sinn, nicht nur nach modischen Haltungen. Unsere Mütter haben den Kampf aufgenommen, nun müssen die Töchter die Chancengleichheit auch umsetzen.