Kattowitz: Messehalle eingestürzt - Tote und Verletzte - DER SPIEGEL
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Kattowitz Messehalle eingestürzt - Tote und Verletzte

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Fieberhaft versuchen Rettungskräfte in Kattowitz die Menschen aus den Trümmern einer eingestürzten Halle herauszuholen. Es herrscht strenger Frost. Bisher bargen sie mindestens 20 Tote und Dutzende Verletzte, noch immer sind etwa hundert Menschen verschüttet.
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Warschau - Das Dach der Messehalle im Stadtbezirk Bytkow gab gegen 17.30 Uhr Ortszeit nach. Augenzeugenberichten zufolge stürzte es innerhalb weniger Sekunden ein. Vermutlich brach es unter der schweren Last der Schneemassen zusammen, sagte der Polizeisprecher von Kattowitz, Janusz Jonczyk. Behördenangaben zufolge konnten bislang mindestens 20 Menschen nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Mindestens 80 Menschen wurden von Rettungskräften in Krankenhäuser gebracht, einige von ihnen lebensgefährlich verletzt. Eine genaue Zahl der Toten und Verletzten lag am späten Abend nicht vor. "Die Opferzahlen können sich von Minute zu Minute ändern", sagte ein Polizeisprecher im polnischen Rundfunk. Ein Arzt am Einsatzort betonte: "Niemand zählt, man muss den Menschen einfach schnellstmöglich helfen."

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Dacheinsturz: Begraben unter Trümmern

Foto: REUTERS

Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich mindestens 500 Menschen im Gebäude. Ein Teil von ihnen konnte sich bei dem Dacheinsturz ins Freie retten, aber zahlreiche Menschen wurden in den Trümmern eingeschlossen. Um die Verschütteten zu bergen, sind umfangreiche Rettungsmaßnahmen angelaufen. Rettungsteams aus ganz Polen wurden mit Helikoptern zum Einsatzort geflogen. Spezialkräfte sind mit Suchhunden und Sonargeräten vor Ort und suchen fieberhaft nach Opfern. Etwa 70 Mannschaften der Feuerwehr und mehr als 230 Polizisten beteiligen sich an der Aktion.

Wie sich die Bilder gleichen: Anfang des Monats war in Bad Reichenhall das Dach einer Eissporthalle unter der Last des Schnees zusammengebrochen. 15 Menschen starben unter den Trümmern, 30 wurden verletzt. Jetzt scheint sich das Drama von damals zu wiederholen - nur viel schlimmer.

Denn der Rettungseinsatz ist auch hier ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Verschütteten müssen in eisigen Temperaturen ausharren. In Kattowitz fiel das Thermometer am Abend auf minus 13 Grad Celsius. Polen erlebt den härtesten Winter seit Jahrzehnten mit Temperaturen von teilweise Minus 30 Grad Celsius. "Unser größtes Problem ist die eisige Kälte, die das Überleben der Eingeschlossenen gefährdet", sagte Polizeisprecher Andrzej Gaska. Um der Kälte ein wenig zu trotzen, reichen Helfer vor Ort den Eingeschlossenen heiße Getränke. Dazu haben sie eigens Löcher in das eingestürzte Dach geschweißt.

Dramatische Szenen am Unglücksort: "Bitte helft mir"

Auf Bildern des polnischen Fernsehens waren Rettungskräfte zu sehen, die im Halbdunkeln nach Verletzten suchten. "Bitte helft mir", rief ein in den Trümmern eingeklemmter Mann mit schwacher Stimme den Helfern zu. Das polnische Fernsehen berichtete, einige der Eingeschlossenen hielten über Handy Kontakt zur Außenwelt. Im dichten Schneetreiben führten Rettungskräfte Verletzte aus dem Gefahrenbereich, mehrere Menschen hatten blutende Kopfverletzungen. Feuerwehrmänner versuchten mit Räumgerät, sich Zugang zu den Eingeschlossenen zu verschaffen - ein schwieriges Unterfangen. Denn der Einsatz von schwerem Gerät ist wegen der Vielzahl der Verschütteten und der Einsturzgefahr der Hallenruine nicht möglich. Die Bergungsarbeiten kommen in der Dunkelheit deshalb nur langsam voran.

Das rund zehn Meter hohe Welbblechdach der Halle war am Nachmittag auf mehreren hundert Quadratmetern zunächst in der Mitte eingestürzt. Da fand in dem Gebäude gerade eine Brieftaubenausstellung statt. "Alles passierte ganz schnell, in drei Sekunden. Es gab einen furchtbaren Krach und das Dach stürzte ein", sagt Jan Panek. Der Bergmann und Hobbytaubenzüchter hatte seine Tiere präsentiert, als zwei Meter vor ihm das Dach herunterkam.

"Wenn es eine Stunde früher passiert wäre, hätte es ein Massaker gegeben", sagt Panek. "Da war die Halle proppevoll. Es waren so viele Menschen da, dass man kaum noch durchkam." Ein weiterer Überlebender sagte dem Sender TVN24: "Wir hörten ein Knacken wie beim Brechen eines Streichholzes. Die Leute gerieten sofort in Panik. Ich bin auch gerannt, etwas fiel auf mich, andere trampelten über mich hinweg und ich konnte auf Händen und Knien herauskriechen." Augenzeugen berichteten, auf dem etwa fußballfeldgroßen Dach hätten etwa eineinhalb Meter Schnee gelegen. Nach diesem ersten Schock des Hallencrashs - die Rettungsaktionen liefen schon - erlebten die Menschen am Unglücksort gleich den zweiten. Gegen 19 Uhr brach ein weiterer Teil des Dachs zusammen.

Verzweifelte Rufe aus den Trümmern

Nach dem Unglück standen Dutzende schockierte Menschen vor der Ruine. Einige halfen Verletzten in die Krankenwagen, andere halten ihre blutenden oder mit Verbänden umwickelten Köpfe. Tauben befreiten sich aus ihren zerstörten Käfigen und liefen zwischen den Trümmern umher. Aus der Ruine waren die verzweifelten Rufe der Verschütteten zu hören. Feuerwehrsprecher Jaroslaw Wojtasek sagte, viele Menschen hätten Knochenbrüche davongetragen. Die meisten seien noch am Leben. Ein Sprecher der Kliniken in Kattowitz sagte, der Zustand der Verletzten sei ernst bis kritisch. Man bereite sich auf die Aufnahme zahlreicher Opfer vor.

Die Taubenschau hatte am Samstag geöffnet und sollte das gesamte Wochenende über dauern. An der Präsentation in der 10.000 Quadratmeter großen Halle nahmen mehr als 120 Aussteller teil, darunter neben polnischen Züchtern auch Vertreter aus Deutschland sowie aus Belgien, den Niederlanden und der Ukraine. Zu der Schau waren rund 55.000 Besucher erwartet worden. Das Brieftaubenzüchten ist ein beliebter Zeitvertreib im südlichen Polen.

Polens Staatspräsident Lech Kaczynski machte sich unverzüglich auf den Weg zum Unglücksort. Er ordnete die Zahlung von einer Million Zloty (rund 240 000 Euro) aus Mitteln seiner Kanzlei an die Opfer des Unglücks von Kattowitz an.

Am vergangenen Freitag hatte schwerer Schneefall auch das Dach des Rathauses im österreichischen Mariazell zum Einsturz gebracht. Verletzt wurde niemand.

Mitarbeit: Marta Glowacka