Kattowitz Suche nach Opfern eingestellt
Kattowitz - Schon nachmittags waren nicht mehr so viele Helfer im Einsatz wie zu Anfang. Einsatzleiter Janusz Skulich hatte bereits in den Mittagsstunden betont, die Chance, noch Überlebende zu finden, sei äußerst gering. Am Sonntagabend sagte ein Sprecher der Regionalregierung, Krzysztof Mejer, schließlich: "Die Rettungsaktion ist vorbei." 13 Suchhunde aus Polen und der Tschechischen Republik zeigten an, dass sich keine weiteren Körper mehr unter den Trümmern befänden.
Unter den Toten und Verletzten sind nach Angaben eines Behördensprechers insgesamt 13 Ausländer. Aus den Trümmern wurden auch ein 64-jähriger Mann und eine 35-jährige Frau aus Deutschland tot geborgen. Der MDR berichtete, es seien mindestens elf Deutsche verletzt worden, vier von ihnen schwer.
Die Feuerwehr glaubt, dass alle Opfer des Unglücks geborgen sind. Ehe Spezialfirmen mit schwerem Räumgerät die eingestürzte Halle demontieren, sollen morgen früh Leichenspürhunde am Unglücksort Witterung aufnehmen. Erst danach soll das Areal planiert werden.
In einem ersten Bericht der Sonderkommission, die die schwerste Baukatastrophe in der Geschichte Polens untersuchen soll, erhärtete sich der Verdacht, dass das Dach am späten Samstagnachmittag unter der Schneelast einbrach. Den Ermittlungen zufolge war eine 50 Zentimeter dicke gefrorene Schneedecke auf dem Hallendach, sagte Transportminister Jerzy Polaczek. Im ganzen Land sollen zur Vermeidung ähnlicher Katastrophen Einkaufszentren, Supermärkte, Markthallen, Schwimmbäder und andere großflächige Gebäude mit Flachdächern auf Baumängel und Schneedecken geprüft werden.
Die Hilfe deutscher Rettungsteams hatten die polnischen Kollegen nach Angaben eines bayerischen Helfers nicht annehmen wollen. Mehrere deutsche Teams wollten nun wieder abreisen, sagte Kurt Schmalwieser, Staffelleiter der Rettungshundestaffel Inntal, heute der Nachrichtenagentur dpa. Bei den zwei bayerischen Teams handelt es sich um die Rettungshundestaffel Inntal aus Gars und um das private Münchner Rettungsteam MKT Krankentransporte. Außerdem war ein Bergungsteam aus Köln vor Ort.
Die Rettungshundestaffel aus Gars war nach Angaben des Staffelleiters gestern Abend nach Polen geflogen und sei gegen Mitternacht bereits einsatzbereit gewesen. Polnische Verantwortliche hätten das Angebot zur Mithilfe aber nicht angenommen. "Uns wurde vor Ort mitgeteilt, dass unsere Hilfe nicht benötigt werde", sagte Schmalwieser und bestätigte damit Informationen des Radiosenders "Antenne Bayern". Eine offizielle Stellungnahme der polnischen Einsatzleitung gibt es dazu allerdings nicht.
"Die polnischen Bergungsteams hatten lediglich drei Suchhunde im Einsatz, die schon restlos erschöpft waren", berichtete Schmalwieser. Heute Vormittag habe ein Vertreter des polnischen Außenministeriums die deutschen Rettungsteams offiziell informiert, dass ihre Hilfe nicht benötigt werde. Als Begründung habe der Vertreter angegeben, dass der Zugang zur Messehalle zu gefährlich sei, sagte Schmalwieser.
Polens Staatspräsident Lech Kacynski kündigte an, dass er die Untersuchungen zur Unglücksursache persönlich beaufsichtigen wolle. In einer Fernsehansprache sagte er: "In der Geschichte eines jeden Landes gibt es Tage des Triumphes, Tage der Freude und Tage der Trauer. Heute erleben wir so einen Tag. Es sei notwendig, mit denen solidarisch zu sein, die durch die Katastrophe während einer Brieftaubenschau Leid erlitten hätten.