Kattowitz Zahl der Todesopfer auf 62 korrigiert
Chorzow - Mehrere Türen wiesen Spuren auf, die auf ein gewaltsames Aufbrechen von Innen hindeuteten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft heute. Zeugen hätten zudem berichtet, dass die Notausgänge von den Eingeschlossenen mit Bänken und Feuerlöschern aufgestoßen werden mussten. Die Zahl der Todesopfer wurde von 67 auf 62 korrigiert. Ein Polizeisprecher sagte, die Unstimmigkeiten rührten daher, dass die Leichen heute an verschiedenen Orten verwahrt worden seien.
Justizminister Zbigniew Ziobro machte der Betreibergesellschaft der Messehalle nicht nur wegen der blockierten Ausgänge schwere Vorwürfe. Ein Großteil des Daches sei zudem von einer "dicken Eisschicht" bedeckt gewesen. Es sei "naiv" zu denken, dass dies nichts mit dem Einsturz des Hallendaches zu tun haben könnte. Die Betreibergesellschaft hatte am Wochenende erklärt, sie habe das Dach regelmäßig kontrolliert und vom Schnee befreit.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die Ermittlungen müssten nun klären, ob das Versperren der Türen Einfluss auf das Ausmaß der Tragödie gehabt habe. Untersucht werde auch, ob die Notausgänge verschlossen oder durch Schneeverwehungen blockiert waren. Die Suchtrupps wollen heute abermals mit Spürhunden nach Leichen in den Hallentrümmern suchen. Anschließend sollten die Aufräumarbeiten beginnen.
Die Polizei veröffentlichte eine Vermisstenliste, auf der zunächst fünf Polen und ein Ungar standen. Zudem sollte die Identität von rund 20 Fahrzeughaltern überprüft werden, deren Autos seit dem Unglück am Samstag auf dem Parkplatz der Messehalle stehen. Von den insgesamt 141 Verletzten werden noch etwa 70 in Krankenhäusern behandelt.
Das schneebedeckte Dach der Messehalle in Chorzow, einer Vorstadt der südpolnischen Industriestadt Kattowitz, war am Samstagnachmittag eingestürzt. Zu dem Zeitpunkt hielten sich dort etwa 200 Besucher einer internationalen Brieftaubenausstellung auf. Die Tragödie ähnelte dem Unglück von Bad Reichenhall, wo am 2. Januar 15 Menschen beim Einsturz einer Eislaufhalle starben.
Laut polnischen Experten verdichteten sich die Hinweise darauf, dass die Schneemassen den Einsturz verursachten. Auf dem Dach habe eine 50 Zentimeter dicke Schicht schweren, vereisten Schnees gelastet, sagte Verkehrsminister Jerzy Polaczek.
Polnische Medien erörterten heute weitere mögliche Unglücksursachen. So könne auch der Temperaturunterschied zwischen etwa plus 20 Grad Celsius im Innern der Halle und minus 15 Grad Celsius außerhalb der Konstruktion zugesetzt haben. Als ein weiterer Grund wurden Bodenbewegungen in der von Grubenschächten durchzogenen Bergbauregion genannt.