Kaukasus Blutige Schlacht um Naltschik
Wladikawkas - In einer Blutlache liegen vier Leichen, ein paar Meter weiter stehen zwei ausgebrannte Autowracks auf der Straße. Es ist jetzt ruhig in diesem Straßenzug in Naltschik. Hier, an der Polizeiwache Nummer 1, sind die Kämpfe vorbei.
In anderen Vierteln der russischen Kaukasusstadt gehen die Auseinandersetzungen weiter, eine Gruppe von Angreifern hat sich in der Polizeiwache Nummer 3 verschanzt und Geiseln genommen - die Bilder rufen das Entführungsdrama von Beslan vor einem Jahr in Erinnerung, wo 331 Menschen getötet wurden. Naltschik und Beslan liegen nicht einmal hundert Kilometer voneinander entfernt.
Hubschrauber kreisen über der Stadt. Die Einsatzkräfte in Naltschik haben Verstärkung bekommen, schwer bewaffnete Spezialeinheiten sind in Stellung gegangen. Helfer bringen die Verletzten auf Tragen in Sicherheit. Dutzende Menschen kamen ums Leben, als mutmaßliche tschetschenische Unabhängigkeitskämpfer am Morgen in die Hauptstadt der Kaukasusrepublik Kabardino-Balkarien einfielen.
Von mehr als 50 Toten sprach der russische Vize-Innenminister Alexander Tschekalin am Abend in Moskau. Nach Angaben des Präsidenten der Kaukasusrepublik, Arsen Kanakow, sollen sich zwischen 100 und 300 Angreifer an dem Überfall auf die Stadt beteiligt haben.
Sie fielen in drei Polizeiwachen ein, in das Innenministerium, den Sitz des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB und in ein Waffengeschäft. Bei den darauf folgenden Kämpfen wurden zwischen 90 und 150 Menschen verletzt, wie Krankenhausmitarbeiter sagten. Die Sicherheitskräfte setzen Panzer ein; einen Angriff auf den Flughafen konnten sie laut Armee zurückschlagen.
Später zog sich eine Gruppe der Angreifer in die oberen Stockwerke einer Polizeiwache zurück und nahm dort Geiseln, wie der Beauftragte der russischen Regierung für Südrussland, Dmitri Kosak, mitteilt. Der russische Präsident Wladimir Putin ordnete an, die Stadt vollständig abzuriegeln und jeden zu erschießen, der eine Waffe trage und sich den Anordnungen der Behörden widersetze.
Sicherheitskräfte räumten vorsichtshalber eine Schule, die in der Nähe der besetzten Polizeiwache steht - weinende Kinder verließen das Gebäude. Zu den Angriffen in Naltschik bekennen sich tschetschenische Rebellen im Internet. Die Angreifer gehören demnach zur Islamisten-Gruppe Jarmuk, einem Ableger der tschetschenischen Rebellen in Kabardino-Balkarien.
Adlan Djikaev, AFP