Kindermorde: Angeklagter sieht sich als psychisch gestört - DER SPIEGEL
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Kindermorde Angeklagter sieht sich als psychisch gestört

Nachdem Marc Hoffmann den Mord an den beiden Kindern Levke und Felix gestanden hat, sind im Prozess vor dem Landgericht Stade erste grausige Details der Taten bekannt geworden. Nach Angaben von Hoffmanns Anwalt ist der Angeklagte überzeugt, an einer Störung zu leiden, und bittet um medizinische Hilfe.
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Stade - Der Anwalt des angeklagten Marc Hoffmann, Jost Ferlings, verlas vor dem Landgericht Stade eine Erklärung des 31-Jährigen; darin räumte Hoffmann die Vorwürfe der Anklage voll und ganz ein. Er stehe den eigenen Taten "mit Entsetzen gegenüber", hieß es im Geständnis. Weiter ließ der Angeklagte erklären, dass er an einer Störung leide und um psychologische und medizinische Hilfe bitte. Ein Gutachter hatte dagegen früher festgestellt, Hoffmann sei voll schuldfähig.

In der Erklärung sagte Hoffmanns Anwalt, das Geständnis solle das Gericht "in den Stand versetzen, in der Hauptverhandlung nicht alles bis ins kleinste Detail erörtern zu müssen". Hoffmann, der selbst zwei Töchter hat, sagte während der Verhandlung nichts, sondern nickte auf die Fragen des Richters nur. Er saß den Eltern direkt gegenüber, hielt aber meist den Kopf gesenkt. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslängliche Haft.

Laut Anklage hat der 31-Jährige im Mai 2004 die achtjährige Levke aus Cuxhaven in sein Auto gelockt, missbraucht und ermordet. Ende Oktober soll er dann den acht Jahre alten Felix in der Nähe von Rotenburg in seinen Wagen gelockt, sich an ihm vergangen und ihn schließlich umgebracht haben. Anfang Dezember wurde Hoffmann gefasst. Dieser hatte zunächst geleugnet. Die Polizei aber hatte Beweise, zum Beispiel DNA-Spuren an Sachen von Levke.

Am heutigen Prozesstag wurden Einzelheiten der Taten bekannt. Als einer der ersten Zeugen schilderte ein Polizist die Vernehmung, in der Hoffmann die Tötung Levkes gestand. Der 31-Jährige sei fünf- oder sechsmal mit dem Auto an Levke vorbeigefahren, die am Straßenrand auf ihren Vater gewartet habe. Dann habe er angehalten und das Mädchen belogen, seiner Mutter sei etwas zugestoßen. Levke sei daraufhin in das Auto eingestiegen. Auf einem Waldweg habe Hoffmann das Kind missbraucht. "Als er den Missbrauch geschildert hat, hat er laut geweint", sagte der Polizist. "Er sagte, wenn er jetzt weitere Angaben mache, könne er sie auch nicht wieder lebendig machen", berichtete der Hauptkommissar.

Anschließend sei der Kinderschänder auf die Autobahn gefahren, sei wieder abgefahren und habe angehalten. Er habe sich zu Levke auf den Rücksitz gesetzt und sie gefragt: "Soll ich dir eine Kette umlegen?" Dann habe er ihr einen Kabelbinder um den Hals geschlungen und zugezogen. "Ihm war nach dem Missbrauch klar, dass er das Mädchen nicht mehr laufen lassen konnte", erklärte der Polizist.

Levkes Leiche habe der Familienvater zu einem See gebracht und notdürftig verscharrt. Ihre Schultasche und Jacke habe er auf einem Waldparkplatz weggeworfen. "Dann ist er nach Bremerhaven gefahren und hat normal zu Hause Abendbrot gegessen", berichtete der Polizist. Am nächsten Tag sei Hoffmann zum Versteck der Leiche zurückgefahren und habe sie ins Auto geladen.

Er habe auch Rucksack und Jacke holen wollen, doch sei schon die Polizei am Tatort gewesen. Mit der toten Levke im Kofferraum sei er nach Hause zurückgekehrt und habe sie am Abend ins Sauerland gebracht. Bei Attendorn, wo er als Kind selbst gelebt hatte, versteckte er den Körper im Unterholz. Am nächsten Tag sei er wieder nach Attendorn gefahren, um die Leiche noch besser zu verbergen. Seiner Frau, die ihn auf dem Handy anrief, habe der Angeklagte gesagt, er müsse länger arbeiten.

Der Prozess wurde mehrmals unterbrochen. Unter anderem hatten die Anwälte von Hoffmann erfolglos den Ausschluss der Öffentlichkeit verlangt, weil das Sexualleben des Angeklagten zur Sprache kommen sollte. Die Eltern von Levke sind bereits Nebenkläger, heute wurde auch die Mutter von Felix als Nebenklägerin zugelassen, erschien aber zunächst nicht im Gerichtssaal: "Sie hat sich bewusst entschieden, dass sie das Verfahren so nicht ertragen kann", sagte ihr Rechtsanwalt Walter Schmehl. Das von Hoffmanns Verteidiger verlesene Geständnis wertete Schmehl als eine "Strategie, die Schuldfähigkeit des Angeklagten in Zweifel zu ziehen". Es sei außerdem "für die Angehörigen schwer, diese Nicht-Erklärung zu akzeptieren". Hoffmann selbst habe sich um jegliche eigene Aussage gedrückt, sagte Schmehl. Vor der Tür des Landgerichts war man ähnlicher Meinung. Dort hatten sich Vertreter der Initiative "Kim" postiert, die sich 1997 nach dem Sexualmord in Varel an der damals achtjährigen Kim gegründet hatte. Die Erklärung sei ein "Versuch, eine Strafmilderung herauszuholen", sagte Vorsitzender Hans Sommer.

Für den Prozess sind zunächst sieben Verhandlungstage bis Ende Juni angesetzt.