Kindesentführung Von Ayla fehlt jede Spur
Zwickau - Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft heute mitteilte, habe die Zwickauer Polizei die größte Suchaktion seit mehr als fünf Jahren gestartet. 360 sächsische Beamte seien eingesetzt, darunter auch die Reiter- und Diensthundestaffel der Polizei. Sie würden von Kollegen aus Thüringen und Brandenburg sowie Feuerwehr und Technischem Hilfswerk unterstützt. Die Trupps durchkämmten Waldstücke im Raum Zwickau und in Thüringen. Am Nachmittag haben auch Polizeihubschrauber, die mit Wärmebildkamera ausgerüstet sind, nach Ayla gesucht. "Alles, was in Zwickau bei der Polizei Beine hat, ist dabei", sagte der Sprecher.
Gestern Abend war ein 37 Jahre alte Tatverdächtiger, selbst Familienvater, in seinem Haus in Reinsdorf bei Zwickau festgenommen worden. Er verweigere jede Aussage, sagte Oberstaatsanwalt Holger Illing. Im Auto des vor rund sieben Jahren wegen Sexualdelikten verurteilten Mannes seien DNA-Spuren festgestellt worden, die noch im Landeskriminalamt ausgewertet würden. Ob sie von Ayla stammen, konnte die Polizei noch nicht sagen.
Die gewaltsame Entführung Aylas in der Nähe ihres Wohnhauses war von einer anderen Schülerin gestern Morgen beobachtet worden: Danach wurde die Kleine von dem Täter gepackt und in den Kofferraum seines Autos gesteckt. Ayla, die als kontaktfreudig gilt, war auf dem Weg zur Schule. Laut Augenzeugin hat das Mädchen laut geschrieen und sich verzweifelt gewehrt.
"Unser größtes Problem ist: Wir wissen nicht, wo sich das Kind befindet", sagte Kriminalhauptkommissar Dieter Kroll, Chef der Polizeidirektion Südwestsachsen. "Wir gehen aber davon aus, dass das Kind noch lebt." Für die Ermittlungen wurde eine Sonderkommission mit 65 Beamten gebildet.
Zunächst war der türkische Vater der Kleinen von der Polizei der Tat verdächtigt worden. Er ist von der in Zwickau lebenden Mutter des Mädchens seit mehreren Jahren geschieden. Der Mann, der in Bayern lebt, hat sich jedoch bei der Polizei gemeldet. Er besitzt laut Polizei ein Alibi für die Tatzeit.
Einen anderen Ermittlungsansatz als den vorläufig festgenommenen arbeitslosen Fliesenleger aus Reinsdorf hat die Polizei im Moment nicht. Auf die Spur des Mannes gelangte die Polizei, weil ein Zeuge das Auto des Entführers gut beschreiben und sogar bruchstückhaft das Kennzeichen angeben konnte. Der von seiner Frau getrennt lebende Mann habe selber zwei Kinder, die sich "weitestgehend" bei ihrem Vater befänden. Der Mann sollte noch heute dem Haftrichter vorgeführt werden.