Kindesmissbrauch US-Bischöfe entschuldigen sich bei Opfern
Dallas - Bei der Frühjahrstagung der rund 280 katholischen US-Bischöfe in Dallas sagte Wilton Gregory, Präsident der Bischofskonferenz: "Ich biete hiermit jedem von Ihnen, die von einem Priester oder einem Kirchenangestellten Leid erfahren haben, meine tiefstempfundene Entschuldigung an". Weiter sagte der Bischof des US-Bundesstaates Illinois: "Was wir Bischöfe getan und was wir unterlassen haben, hat zu dem Missbrauch beigetragen." Das sei die vielleicht schwerste Krise der katholischen Kirche in den USA.
Als Konsequenz aus dem Missbrauchs-Skandal wollen die Bischöfe am Freitag über ein umstrittenes Positionspapier abstimmen, das vorsieht, pädophile Priester und Kirchenmitarbeiter sofort zu entlassen. Vergehen aus der Vergangenheit sollen von "Fall zu Fall geprüft" werden.
Die Bischöfe, die bei Fällen von Pädophilie geschwiegen haben, werden in dem Entwurf nicht erwähnt. Dagegen wehren sich die Vertreter der Opfer: Sie verlangen, auch gegen Bischöfe vorzugehen, die wissentlich pädophile Priester weiter beschäftigt haben. Kritiker meinen, die Machtstruktur der Kirche habe die furchtbaren Vorkommnisse begünstigt. Aus den Reihen der katholischen Kirche werden Forderungen laut, die Allmacht der Bischöfe zu reduzieren und die Mitbestimmung von Laien zu stärken.
"Die Kirche muss das Ausmaß des Schadens erkennen, der den Opfern zugefügt wurde", sagte Craig Martin aus Minnesota gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Er wurde als Junge von einem Priester missbraucht. Ein anderes Opfer forderte: "Alle Geistlichen, die sich an Minderjährigen vergangen haben, müssen aus der Kirche entfernt werden."
Nach Ermittlungen der "Washington Post" wurde seit Anfang der sechziger Jahre mindestens 850 katholischen Priestern vorgeworfen, Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Hunderte seien entlassen worden. Rund eine Milliarde Dollar Entschädigung zahlte die Kirche an die Opfer.
Papst Johannes Paul II. reagierte im April und holte die amerikanischen Kardinäle zu einem Krisentreffen in den Vatikan. Im traditionellen Gründonnerstagsbrief zeigte sich der Papst erschüttert. Seit Bekanntwerden des ersten Falles im Januar traten 250 katholische Priester in den USA zurück oder wurden entlassen, vier Bischöfe legten ihre Ämter nieder.