Kindstod oder Mord: Verurteilte Mutter legt Widerspruch ein - DER SPIEGEL
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Kindstod oder Mord Verurteilte Mutter legt Widerspruch ein

Immer wieder hatte Angela Cannings beteuert, ihre drei Kinder seien durch den plötzlichen Kindstod gestorben. Getötet habe sie die Babys nicht. Doch die Richter verurteilten die Britin zu lebenslanger Haft. Das will die Frau nicht hinnehmen.
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London - Drei Kinder hat die 38-Jährige verloren. Sie ließen ohne erkennbare Ursache in den ersten Monaten ihr Leben. 1991 starb der sieben Wochen alte Jason, Matthew kam 1999 nach 18 Wochen ums Leben, Tochter Gemma war bereits seit 1989 tot. Sie wurde 13 Wochen alt. Wie die Mutter behauptet, sollen alle Babys den plötzlichen Kindstod gestorben sein.

Drei tote Säuglinge in einer Familie - das fanden die Behörden mehr als verdächtig. Untersucht wurde jedoch nur der Tod der zwei Jungen, bei dem Mädchen lagen unzureichende medizinische Angaben vor. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sprechen mehrere Punkte dafür, dass die beiden Söhne der Familie nicht eines natürlichen Todes gestorben sind. So war die Mutter in beiden Fällen mit den Kindern allein zu Hause, als der Tod eintrat. Zudem war einer der Jungen kurz vor seinem Tod fast schon einmal erstickt. Jason wurde nur gerettet, weil zufällig eine Hebamme zur Nachsorge vorbeikam und ihn wiederbeleben konnte. Drittens sprachen medizinische Befunde dafür, dass Jason gewaltsam erstickt worden war.

Die Verteidigung dagegen hatte argumentiert, es gebe eine erbliche Veranlagung für plötzlichen Kindstod. Außerdem könnten sich Gifte eines chemisch-atomaren Forschungszentrums in der Nähe der Wohnung negativ ausgewirkt haben. Die Verteidigung zeigte auch Videobilder, auf denen zu sehen war, wie die Mutter ihre Kinder stillte und liebkoste.

Einer der führenden Experten für plötzlichen Kindstod, Sir Roy Meadow, erklärte in der Verhandlung, eine solche Häufung von Erstickungsanfällen sei höchst unwahrscheinlich. "Zwei Mal plötzlicher Kindstod ist verdächtig, drei Mal ist Mord", lautete seine These. Dieser Ansicht schlossen sich auch die Geschworenen an. Die Beweise gegen die Frau seien erdrückend. Das Urteil lautete lebenslange Haft. Am Mittwoch legte sie Berufung ein.

Der britische Verband zur Untersuchung des plötzlichen Kindstods befürchtet nun, dass es nach dem Urteil zu einer Hexenjad kommen könnte. Der Gründer des Vereins, Joyce Epstein, sagte, der plötzliche Kindstod sei in den allermeisten Fällen eine Tragödie. Es wäre furchtbar für die trauernden Eltern, auch noch falschen Verdächtigungen ausgesetzt zu werden.