Kirche: Wiener Kardinal König ist tot - DER SPIEGEL
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Kirche Wiener Kardinal König ist tot

Er galt als Wegbereiter der Ökumene und war der dienstälteste Kardinal der katholischen Kirche. Jetzt ist der liberale und äußerst beliebte Wiener Kardinal Franz König im Alter von 98 Jahren gestorben.
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Wien - König starb heute gegen 3 Uhr morgens im Schlaf, teilte die Erzdiözese Wien mit. Requiem und Beisetzung sind für den 27. März im Wiener Stephansdom vorgesehen. König war viele Jahre Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz und war unter Papst Paul VI. einflussreicher Vertreter einer liberal-gesinnten, offenen Weltkirche. Er galt als Mann des Ausgleichs und war einer der Wegbereiter der Ökumene. Darüber hinaus machte er sich einen Namen als Mittler zwischen der katholischen Kirche und den kommunistischen Staaten Osteuropas.

König wurde am 3. August 1905 in Warth (Niederösterreich) geboren und studierte an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1933 wurde er zum Priester, 1952 zum Bischof geweiht. Nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Wien 1956 wurde er zwei Jahre später vom Konziliatspapst Johannes XXIII. ins Kardinalskollegium berufen.

Er war einer der führenden Kräfte des II. Vatikanischen Konzils, verfügte über ausgezeichnete Kontakte zur unterdrückten katholischen Kirche im kommunistischen Osteuropa und hat unter anderem Karol Wojtyla als Nachfolger von Papst Johannes Paul I. ins Spiel gebracht. Dabei gehörte König selbst schon nach dem Tod von Paul VI. zum engeren Kreis der Anwärter auf den Papststuhl.

Er gründete unter anderem die Stiftung "Pro Oriente", die eine wichtige Rolle bei der Ökumene spielte und erzwang die Ausreise des vor der kommunistischen Führung in die US-Botschaft in Budapest geflüchteten ungarischen Primas Joszef Mindzenty. In Österreich wurde er populär, weil er die seit der Zwischenkriegszeit herrschende tiefe Kluft zwischen Amtskirche und den regierenden Sozialdemokraten überwand und ein Aussöhnung herbeiführte. 1980 reichte er schließlich seinen Rücktritt als Wiener Erzbischof ein, blieb aber bis zu seinem Tod eine moralische Instanz Österreichs.

Österreichs Kardinal Christoph Schönborn würdigte König als Mann der Versöhnung, der "ein Geschenk für die Kirche in Österreich und weltweit" gewesen sei. Der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil erklärte, König habe Brücken zu den osteuropäischen Nachbarländern geschlagen und "geholfen, Menschen anderer Glaubensbekenntnisse besser zu verstehen". Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bezeichnete König als "einen ganz Großen unserer Zeit".

Mit ihm starb der letzte von Papst Johannes XXIII. in das Kollegium berufene Kardinal. Die Zahl der katholischen Kardinäle verringert sich damit auf 191. Von ihnen sind 126 jünger als 80 Jahre und damit zur Papstwahl berechtigt.