Klage gegen Bahn: Eschede-Hinterbliebene wollen Schmerzensgeld - DER SPIEGEL
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Klage gegen Bahn Eschede-Hinterbliebene wollen Schmerzensgeld

Drei Jahre nach der Bahnkatastrophe von Eschede haben Hinterbliebene der 101 Toten die Deutsche Bahn auf Schmerzensgeld verklagt. In sechs Musterklagen vor dem Landgericht Berlin fordern sie mindestens 250.000 Mark pro Fall.
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Eschede - Die Klagen werden von weiteren 60 Hinterbliebenen unterstützt und finanziert. Ihr Anwalt Reiner Geulen reichte die Klagen am Donnerstag ein. Gleichzeitig stellte er bei der Lüneburger Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen die beiden verantwortlichen Vorstandsmitglieder der Bahn. Der Sprecher der Selbsthilfe Eschede, Heinrich Löwen, kündigte an, die Hinterbliebenen würden ihre Ansprüche "notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht" durchprozessieren. Die Deutsche Bahn erklärte, die Forderung der Kläger sei "nach deutscher Rechtslage nicht nachvollziehbar". In Eschede war vor drei Jahren der ICE 884 Wilhelm Conrad Röntgen nach einem Radreifenbruch entgleist.

In der 66 Seiten langen Klageschrift listet Rechtsanwalt Geulen das "schwerwiegende Verschulden der Bahn" auf. Der Bahnvorstand habe seinerzeit die Einführung des umstrittenen Radreifens beschlossen und versäumt, wirksame Kontrollen vorzunehmen. Die Klage richtet sich gegen die Deutsche Bahn sowie gegen den 1998 verantwortlichen Vorstand für Forschung und Technologie und jetzigen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn Netz AG, Roland Heinisch. Gegen ihn persönlich wurde auch eine Schadenersatzklage erhoben.

Nach den Ermittlungen der Lüneburger Staatsanwaltschaft ist nach Ansicht von Geulen "offenkundig, dass der Tod der 101 Eschede-Opfer durch systematische schwere Versäumnisse der Bahn verschuldet wurde". Darüber gebe es keinen Streit unter den Sachverständigen.

Die Bahn teilte am Donnerstag mit, die Vorwürfe Geulens zum Verschulden der Bahn oder einzelner Vorstandsmitglieder entbehrten vor dem Hintergrund der staatsanwaltlichen Ermittlungen jeder Grundlage. Bahnchef Hartmut Mehdorn warf dem Anwalt vor, er lasse die Entschädigungsfrage zur "Medienschlacht" ausarten und versuche, "ehemalige sowie amtierende Bahnvorstände mit ungeheuerlichen Behauptungen zu diskreditieren". Offenbar wolle sich Geulen "auf dem Rücken vieler Betroffener" profilieren.

"Wir haben uns unmittelbar nach dem Unfall bemüht, alle Entschädigungsleistungen, sei es Schmerzensgeld oder Sachschäden, unbürokratisch und schnell abzuwickeln", sagte die Leiterin der Rechtsabteilung der Bahn, Magret Suckale. Dies sei zumeist auch gelungen. "Wenn sich Einzelne von der Bahn dennoch nicht gerecht behandelt fühlen, werden wir uns einer gerichtlichen Klärung der Ansprüche keinesfalls verschließen."