Klage: TV-Millionäre sollen dümmer werden - DER SPIEGEL
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Klage TV-Millionäre sollen dümmer werden

Der amerikanische TV-Sender ABC hat eine Klage am Hals. Die Erfolgssendung "Who wants to be a millionaire?" macht zu viele Menschen reich – das findet zumindest die britische Versicherungsgesellschaft, die die Gewinne auszahlen muss. Ihre Forderung: Die Fragen müssen schwerer werden, die Kandidaten dümmer sein.
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Washington –Bis zu 30 Millionen Amerikaner fiebern vor ihren Fernsehapparaten, wenn dreimal pro Woche "Who wants to be a millionaire?" über die Bildschirme flimmert. Die Sendung, deren deutsches Pendant unter dem Titel "Wer wird Millionär?" bei RTL läuft, wird in den Vereinigten Staaten als der größte Fernseherfolg des vergangenen Jahres gefeiert. Fast alle sind glücklich: Der Sender ABC, der in der zersplitterten Fernsehlandschaft plötzlich Traumquoten erzielt, die Kandidaten, die nach 15 richtig beantworteten Fragen eine Million gewinnen, und die Zuschauer, die daheim auf dem Sofa miträtseln. Nur die Versicherungsgesellschaft, die die Gewinne auszahlen muss, ist der Dumme. Zu oft ist vorgekommen, dass ein Kandidat ganz dick abgesahnt hat.

Das Londoner Unternehmen Goshawk Syndicate, das – wie es in der Gameshow-Branche durchaus üblich ist - ABC gegen die Gewinne ab einer halben Million Dollar versichert, reichte nun beim Höchsten Gerichtshof Großbritanniens Klage ein. Die Fragen, die in der Quizshow gestellt würden, seien zu simpel. Tatsächlich haben die Risikoanalysten des britischen Versicherungskonzern die Intelligenz der Amerikaner wohl unterschätzt. In den rund 50 Folgen wurde schon zweimal der Hauptgewinn, 1 Million Dollar, eingestrichen. Dreimal konnten Schlauberger je 500.000 Dollar mit nach Hause nehmen.

Bereits im Dezember hatte sich Goshawk Syndicate bei ABC beschwert und gefordert, die Show müsse härter werden. Doch der Sender weigerte sich. "Die Integrität der Sendung steht außer Zweifel," sagte eine ABC-Sprecherin zu "Variety". "Es ist schlicht und einfach ein Streit mit der Versicherung, die versucht, die vereinbarten Vertragsbedingungen aufzuweichen." Norman Payne, der bei der Show 32.000 Dollar gewonnen hatte, erklärte gegenüber dem Nachrichtensender CNN: "Die Einstiegsfragen sind immer leicht. Dann folgen einige schwierige. Und der Schwierigkeitsgrad bis zur Million steigt immer weiter an."

Des einen Glück, des anderen Leid. Der Versicherungsfall ist mehrmals eingetreten, jetzt entpuppt sich die Gesellschaft als Spielverderber. Die Höhe der Verluste sei "nicht akzeptabel". Tatsächlich sind die Fragen, die Showmaster Regis Philbin dem Millionäraspiranten stellt, nicht immer besonders anspruchsvoll. So hieß es in einer der Sendungen: Welches Würzmittel ist auch ein lateinamerikanischer Tanz? Salsa, Mustard (Senf), Majonäse oder Meerrettich. Anderseits musste Kandidat Dan Blonsky wissen, wie weit die Sonne von der Erde entfernt ist, um seine Million zu gewinnen. 9,3 Millionen Meilen, 39 Millionen, 93 Millionen oder 193 Millionen Meilen? Nach langem Zögern entschied sich der Anwalt aus Florida für die dritte Möglichkeit. 93. "Is this your final answer?", fragte Philbin. "Ja. Ich bleibe dabei," sagte Blonsky und wurde so zum Millionär.