Klimawandel und Soziale Folgen der Erderwärmung: Frankreich streitet sich ums Wasser - DER SPIEGEL
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Soziale Folgen der Erderwärmung Frankreich streitet sich ums Wasser

Der Klimawandel macht Wasser zum knappen Gut. In vielen französischen Kommunen fehlt Trinkwasser, Winzer befürchten »dramatische« Ausfälle, und Pools dürfen nicht mehr befüllt werden.
In Sainte-Soline eskalierten im März Proteste gegen riesige Wasserrückhaltebecken
In Sainte-Soline eskalierten im März Proteste gegen riesige Wasserrückhaltebecken

In Sainte-Soline eskalierten im März Proteste gegen riesige Wasserrückhaltebecken

Foto:

Serriere Arnault / ABACAPRESS / IMAGO

Rund 40.000 Menschen in Frankreich stehen am Ende eines zuletzt heißen Sommers ohne Trinkwasser da. Knapp 200 Kommunen gerade im Süden mussten laut Umweltminister Christophe Béchu zuletzt mit Tankwagen oder Mineralwasser in Flaschen versorgt werden.

Auch Bauern und Winzer klagen über Wassermangel. Der Grundwasserstand ist in knapp zwei Dritteln der Gebiete niedriger als üblich: »Die Krise liegt noch nicht hinter uns«, sagte Béchu. Behörden reglementieren teils das Bewässern von Agrarflächen, Gärten und Sportstadien, das Befüllen von Swimmingpools ist tabu, Autowaschen ebenfalls.

Alle Sektoren sollen bis 2030 zehn Prozent weniger Wasser nutzen

»All dies trägt deutlich die Handschrift des Klimawandels: Der Rückgang des verfügbaren, entnehmbaren Wassers hat begonnen, und zwar um 10 bis 40 Prozent«, sagte Béchu der Zeitung »Libération«. »Dies ist eine Folge des Temperaturanstiegs.«

Mit einem Ende März vorgelegten Wasserplan wolle die Regierung gegensteuern. Bis 2030 sollen alle Sektoren zehn Prozent weniger Wasser nutzen. Das Sparen sei notwendig, weil durch den Klimawandel bis 2050 rund 30 bis 40 Prozent weniger Wasser zur Verfügung stehe. Ab einem bestimmten Verbrauch soll der Wasserpreis steigen und mehr Wasser als bisher soll wiederverwendet werden, der Anteil war in Frankreich bislang gering.

Weinbauern rechnen mit dramatischen Einbußen

Im südlichen Département Pyrénées-Orientales befürchtet der Winzerverband wegen der Trockenheit in diesen Wochen die schlimmste Weinlese der Geschichte. »30 oder 40 Prozent Verluste« drohten in den Weinbergen, sagte der örtliche Verbandspräsident David Drilles dem Sender France bleu. »Es ist dramatisch.« Manche Weinbauern rechneten mit Einbußen von bis zu 80 Prozent. Der Regen und die Möglichkeit zur Bewässerung seien unzureichend gewesen. Und dort, wo Restriktionen zum Beregnen von Agrarflächen angeordnet sind, besuchen Beamte der Umweltpolizei die Landwirte, um zu kontrollieren, dass nicht zu viel Wasser aus dem Boden gepumpt wird.

Luftaufnahme von einem im Bau befindlichen Wasserreservoir für die landwirtschaftliche Bewässerung in Sainte-Soline im mittleren Westen Frankreichs

Luftaufnahme von einem im Bau befindlichen Wasserreservoir für die landwirtschaftliche Bewässerung in Sainte-Soline im mittleren Westen Frankreichs

Foto: DAMIEN MEYER / AFP

Für den Klimawandel und ein Wirtschaften mit weniger Wasser rüsten sich in Frankreich große Agrarbetriebe mit sogenannten Mégabassines. Das sind Wasserrückhaltebecken von der Größe etlicher Fußballfelder, in denen Wasser für Trockenphasen gesammelt wird. Die Mégabassines werden neben Regenwasser vor allem über Pumpen mit Grundwasser befüllt. Umweltschützer laufen deswegen Sturm gegen die Megaprojekte.

Eine Demonstration an der Baustelle eines Riesenbeckens in Sainte-Soline in Westfrankreich mit Tausenden Teilnehmern endete vor Monaten in einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit der Polizei. Innenminister Gérald Darmanin sprach danach von »Ökoterroristen«. Ein Verbot der beteiligten Umweltbewegung durch die Regierung hob die Justiz vorläufig auf.

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Die Fronten bleiben verhärtet. Bei einem mehrtägigen Protestmarsch aus der Provinz Richtung Paris verwüsteten Gegner der »Mégabassines« im August auch einen Golfplatz. Der Vorwurf: Unmengen an Wasser seien im Sommer nötig, um die rund 700 Golfplätze in Frankreich im Sommer schön grün und bespielbar zu halten. Der Verband professioneller Golfplatzbetreiber hielt entgegen, der Wasserverbrauch der Plätze sei bereits reduziert worden, Trinkwasser werde nur in geringem Umfang zur Beregnung eingesetzt.

Schmerzlich treffen viele Menschen in Frankreich, einem der Länder mit den meisten privaten Swimmingpools in Europa, auch Verbote zum Auffüllen der Pools. Im Département Pyrénées-Orientales im Süden wurde sogar der Verkauf von Aufstellpools verboten, eine Gemeinde im Süden untersagte auch für fünf Jahre unter Verweis auf den Wassermangel den Bau neuer Pools.

Die Beschränkungen täten auch der Schwimmbadbranche weh, klagte kürzlich der Fachverband FPP. Aufträge im Umfang von zwei Millionen Euro seien verloren gegangen. Allerdings führe der Klimawandel auch dazu, dass die Nachfrage nach privaten Swimmingpools inzwischen auch in der Nordhälfte des Landes steigt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass in den Mégabassines Regenwasser gesammelt wird. Tatsächlich werden sie aber vor allem mit Grundwasser befüllt. Wir haben den Fehler korrigiert.

svs/dpa

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