Klinik: "Renate Wallert geht es überraschend gut" - DER SPIEGEL
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Klinik "Renate Wallert geht es überraschend gut"

Renate Wallert ist nach ihrer Rückkehr nach Göttingen gründlich untersucht worden und hat die Klinik bereits wieder verlassen. Diagnose der Ärzte: Sie hat die drei Monate Geiselhaft gut überstanden. Am frühen Morgen war die 56-Jährige, deren Mann und Sohn noch auf der philippinischen Insel Jolo gefangen gehalten werden, in Deutschland gelandet.
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Göttingen - Renate Wallert geht es nach Auskunft der Ärzte im Göttinger Klinikum "überraschend gut". Unter anderem wurden Tests zu Tropenkrankheiten gemacht, teilten die Mediziner mit. Frau Wallert habe die fast dreimonatige Gefangenschaft gut überstanden, sagte Professor Gerhard Anton Müller. Ihr Kreislauf sei sehr stabil. "Wir können Entwarnung geben. Frau Wallert will unbedingt nach Hause." Unbemerkt von den zahlreichen Reportern und Kamerateams hat sie die Klinik inzwischen verlassen.

Renate Wallert war am Morgen nach 16-stündigem Flug von Manila aus mit einer Lufthansa-Maschine am Frankfurter Flughafen eingetroffen. Gestützt auf den Arm ihres Sohnes ging sie mit unsicheren Schritten und leicht gebeugt die Gangway hinunter. In der Hand hielt sie einen Strauß mit fünf roten Rosen. Sie wirkte erschöpft und unterdrückte ein Schluchzen, als Journalisten ihr zur Heimkehr applaudierten. Renate Wallert winkte den mehr als hundert Pressevertretern auf dem Rollfeld kurz zu und stieg dann in einen grauen Bus mit abgedunkelten Scheiben, der sie zu einem Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes brachte.

Zur Begrüßung erschienen auch der Asienbeauftragte der Bundesregierung, Cornelius Sommer, und der Chef der hessischen Staatskanzlei, Franz Josef Jung. Sommer hatte kurz vor Wallerts Ankunft der philippinischen Regierung für ihre Hilfe gedankt. Auf ihrem Rückflug mit dem Jumbo "Rheinland-Pfalz" war sie von einem Arzt des Auswärtigen Amtes und einem Beamten des Bundeskriminalamtes begleitet worden.

Die moslemische Rebellengruppe Abu Sayyaf hatte Wallert am Montag auf der südphilippinischen Insel Jolo nach zwölf Wochen Geiselhaft freigelassen und dem Unterhändler der philippinischen Regierung, Robert Aventajado, übergeben. Wallerts Mann Werner und Sohn Marc sind weiter mit 16 Leidensgenossen in der Hand der Extremisten, die für einen Moslemstaat im Süden der Philippinen kämpfen.

Sommer: Geduld der Philippiner manchmal schwer zu ertragen

Nach ihrer Freilassung hatte Wallert gesagt, ihr Glück sei nicht vollkommen, weil ihr Mann, ihr Sohn und die anderen Geiseln noch nicht frei seien. "Ich hoffe, dass sie so schnell wie möglich herauskommen." Sie dankte allen, die für sie und ihre Familie gebetet hätten. "Das ist angekommen."

Die Bundesregierung lehnte Angaben zu den Umständen der Freilassung ab. Aventajado hatte von "einer Geste des guten Willens" der Abu Sayyaf gesprochen. In philippinischen Polizeikreisen war dagegen von der Zahlung von zwei Millionen Mark Lösegeld die Rede. Vor Renate Wallert hatte die Abu Sayyaf bereits zwei malaysische Geiseln freigelassen.

Der Asienbeauftragte Sommer sagte im Deutschlandfunk, die Geduld der Philippiner sei für die deutsche Seite manchmal nur schwer zu ertragen gewesen. Er bestätigte, dass in den Verhandlungen mit den Abu-Sayyaf-Rebellen auch über humanitäre Hilfe gesprochen worden sei. Dies habe "ideell im Hintergrund" gestanden, fügte er hinzu. Die Verhandlungen mit den Geiselnehmern hätten an Nachhaltigkeit und Zielstrebigkeit stark zugenommen, nachdem Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und sein französischer Kollege Hubert Védrine in der vergangenen Woche in Manila mit der philippinischen Regierung über das Geiseldrama gesprochen hatten.