Klüger werden mit Dolly Buster
SPIEGEL:
Wie kommt es, dass eine erfolgreiche Pornoproduzentin plötzlich die Literatur entdeckt, ein Medium ohne Bilder?
Buster: Ich habe schon genug Männer-Produkte verkauft. Jetzt sollte es etwas für Frauen sein. Mein Verlag wünschte sich einen Sexberater. Da ich bei den meisten Fragen, die ich dort hätte beantworten sollen, selbst nachschlagen musste, entschied ich mich für einen Thriller.
SPIEGEL: Warum diese Leidenschaft fürs Gruselige?
Buster: Schon als Kind faszinierte mich das Abgründige. Mit sieben verschlang ich Krimis Liebesromane oder Kafka kommen mir nicht auf den Nachttisch. Mit Agatha Christie hatte ich die ersten Auftritte in meiner Prager Schule.
SPIEGEL: Wie ging das?
Buster: Damals sollten wir Aufsätze schreiben, über Bücher, die wir gelesen hatten und kleine Bildchen dazu malen. Auf meinen tropfte Blut vom Messer, ich bekam die Note "Eins plus". Und den Vermerk "Für Jugendliche ungeeignet".
SPIEGEL: In "Hard Cut" geht es um Pornoqueen Lilly DeLight, Konkurrentin Greta Giehse und Darsteller Ronny Sanchez. Wer ist gemeint?
Buster: Klar, Lilly hat viel von Dolly, Greta Giehse ist angelehnt an meine Freundin Teresa Orlowski, und Ronny soll der schöne Italiener sein, der Pornodarsteller Rocco Siffredi.
SPIEGEL: Bereuen Sie, nicht früher mit dem Schreiben begonnen zu haben?
Buster: Ich bin nicht so naiv, zu glauben, dass sich meine Bücher auch ohne die Filme verkaufen. Aber ich genieße es, jetzt tiefgründig zu sein und voller Gefühl für die Figuren undenkbar im Pornogeschäft. Dass ich keinen Müll geschrieben habe, weiß ich auch. Gerade hat Bernd Eichinger die Filmrechte gekauft.
SPIEGEL: Werden Sie die Lilly spielen?
Buster: Lust hätte ich schon.