Klüger werden mit Jim Carey "Schlag' mich"
SPIEGEL:
Gerade traf sich die Filmbranche wieder einmal zur Leistungsschau in Cannes und präsentierte eine glitzernde Glamour-Welt. Wie sieht es mit den Schattenseiten des Ruhms aus?
Carrey: Für einen Star ist die Verlockung groß, sein Leben völlig aus der Hand zu geben man hat ständig Menschen um sich, die einem alles abnehmen. Man verliert das Gefühl für die Wirklichkeit.
SPIEGEL: Was tun Sie dagegen?
Carrey: Zum Beispiel Wäsche waschen. Oder Geschirr spülen. Ich brauche das Gefühl, etwas mit meinen Händen berührt und verändert zu haben. Manuelle Arbeit ist befreiend, sie verbindet mich mit dem wirklichen Leben. Vor allem nach Dreharbeiten finde ich so Ruhe.
SPIEGEL: Was war Ihre anstrengendste Rolle bisher?
Carrey: Der "Grinch". Ich war den ganzen Tag in ein Fellkostüm und eine Latexmaske gesperrt. Sehr unbequem, irrsinnig heiß. Eine Tortur.
SPIEGEL: Wie haben Sie das durchgestanden?
Carrey: Ein Elite-Soldat hat mir einige Tricks beigebracht, mit denen Folter leichter zu erdulden ist. Ganz einfache Dinge, die mich ablenkten; zum Beispiel habe ich mit der Faust aufs Bein geschlagen, wenn ich dachte, das Kostüm würde mich umbringen. Oder ich habe einen Kollegen gebeten, mich zu schlagen.
SPIEGEL: Warum?
Carrey: Wer leidet, bekommt einen Tunnelblick. Man hat das Gefühl, völlig allein zu sein. So ein Schlag kann einen wieder auf den Boden holen einen daran erinnern, dass man nicht allein auf der Welt ist.
SPIEGEL: Hat das funktioniert?
Carrey: Ja. Ich habe durchgehalten. Es ist unglaublich, woran ein Mensch sich gewöhnen kann! Irgendwann habe ich das Ganze als eine Art Zen-Erfahrung gesehen. Ich versuche, mit allen Schwierigkeiten im Leben so umzugehen sie einfach als Erfahrung zu verbuchen.