Knuts Cousine: Flocke, Schneewittchen oder Yuki Chan? - DER SPIEGEL
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Knuts Cousine Flocke, Schneewittchen oder Yuki Chan?

Es bekommt den Bauch gekrault, die Zahnleisten massiert und kuschelt mit zwei Plüschtieren. Noch hat das Eisbärenmädchen aus Nürnberg keinen Namen - über 15.000 Vorschläge gibt es aber bereits.
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Nürnberg - Das Fläschchen schmeckt und die ersten Zähnchen werden nicht mehr lange auf sich warten lassen: Das Eisbärenmädchen im Nürnberger Tiergarten hat sich in der ersten Woche nach der Trennung von seiner Mutter prächtig entwickelt. "Wir sind sehr, sehr zufrieden", sagt Tiergartenchef Dag Encke. Körpertemperatur, Appetit und Verhalten des 2400 Gramm wiegenden Weibchens seien normal. "Jeden Tag wächst die Hoffnung, dass die Aufzucht gelingt", sagte Encke. Durchatmen könne man jedoch erst nach drei Monaten. Das Eisbärenmädchen ist vor fünf Wochen im Nürnberger Tiergarten zur Welt gekommen.

Pfleger massieren die Zahnleisten der kleinen Bärin, um den Durchbruch der Zähne zu erleichtern. Das Zahnen geht auch bei Eisbärenkindern mit schlechterem Appetit und erhöhter Temperatur einher. Derzeit wird das Junge alle vier Stunden mit bis zu 140 Millilitern Kunstmilch versorgt. Beim Aufpäppeln des kleinen Bären soll nun auch Spezialnahrung aus Berlin helfen. Der Zoo schickte Maissirup nach Nürnberg, der schon Eisbär Knut beim Aufwachsen geholfen hatte. Die Flüssigkeit wird bei der Handaufzucht der Hundewelpenmilch beigemischt, den Tipp für den Futtermix hatten die Berliner Pfleger von Tiermedizinern aus den USA erhalten.

15.000 Namen und ein gehäkeltes Lätzchen

Durch ein leichtes Blinzeln deutet sich inzwischen auch an, dass das Eisbärenbaby in Nürnberg langsam die Augen öffnet. "In den nächsten Tagen gehen die Augen wahrscheinlich auf", sagt der Tiergartendirektor. "Das werden dann dunkle Knopfäuglein sein."

Der Zustand des kleinen Eisbärenmädchens interessiert Menschen weltweit. Das Baby ist zwar im Tiergarten noch nicht zu besichtigen, aber im Internet schon ein Star. Den Tiergarten erreichen Fanbriefe und Geschenke wie gehäkelte Lätzchen. Seit Freitag haben täglich etwa 120.000 Besucher die städtischen Internet-Seiten aufgerufen. Der Server wurde von dem Ansturm am Wochenende für mehrere Stunden lahm gelegt. Inzwischen sind die Kapazitäten erweitert worden, um den großen Zugriff bewältigen zu können.

Innerhalb von nur 48 Stunden sind rund 15.000 Namensvorschläge für die Bärin eingereicht worden, sagte Pressesprecher Siegfried Zelnhefer. Die Vorschläge reichen von Franka und Lina über Snowwhite bis zu Aichá und Yuki Chan. Über den Namen soll aber erst entschieden werden, wenn das Baby die ersten drei Monate überstanden hat. Wer den Namen für den kleinen Eisbären dann auswählen darf, steht noch nicht fest. Bei der Aufzucht kann es immer wieder zu Rückschlägen kommen. Die Überlebenschancen kleiner Eisbären betragen generell nur etwa 50 Prozent.

Suche nach einem Spielgefährten

Um das Junge rund um die Uhr versorgen zu können, wurde das Team der Tierpfleger inzwischen auf vier Mitarbeiter - zwei Frauen und zwei Männer - aufgestockt.

Das Baby wird von den Pflegern regelmäßig gebürstet und massiert. Um keine Keime in den abgeschotteten Raum mit der Holzkiste des Jungtieres zu tragen, ziehen die Pfleger spezielle Kleidung an und tragen Mundschutz, Einmalhandschuhe sowie Schuhüberzieher.

Die neue Heimat des kleinen Bären steht auch schon fest: Er solle in einem Stall in unmittelbarer Nähe des Eisbärengeheges untergebracht werden, sobald er einigermaßen selbstständig ist, sagte Encke. So könne er sich an die Gerüche und Geräusche seiner Artgenossen gewöhnen. Unklar ist allerdings weiterhin, ob die kleine Bärin einen Spielgefährten für die Aufzucht bekommen wird. In Westeuropa stehe kein entsprechendes Jungtier zur Verfügung, sagte Encke. Über Moskau laufe die Suche in ganz Russland. "Sollte es klappen, wäre dies wie ein Sechser im Lotto."