Köln Benedikt XVI. besucht jüdische Gemeinde
Köln - Als historisches Ereignis bezeichnet der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, den Besuch des Papstes in der Kölner Synagoge. Es sei das erste Mal, dass ein Papst, dazu noch ein Deutscher, in Deutschland eine Synagoge betrete, kommentierte Spiegel in der "Rheinischen Post" den vorgesehenen Besuch. Dies sei ein "sehr hoffnungsvolles Zeichen, dass wir wirklich auf einem Weg der Verständigung zwischen den Religionen sind".
Der Zentralsratspräsident appellierte an Benedikt XVI., seinen Einfluss geltend zu machen, um den laut Spiegel auch unter den Katholiken wieder aufkeimenden Antisemitismus zu verhindern. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung seien zumindest latent antisemitisch, sagte Spiegel.
Zurückhaltender äußerte sich hingegen der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst. Äußerungen des Papstes vor dessen Reise hätten die Bedeutsamkeit gezeigt, die der Papst dem Treffen mit der jüdischen Gemeinde beimesse - der Papst habe den Besuch in der Synagoge "überhaupt nicht erwähnt", sagte er der "Netzeitung". Er erwarte daher auch "keine bedeutsame Veränderung im Verhalten katholischer Christen zum Judentum". "Dazu gehört weit mehr als nur der Besuch einer Synagoge", fügte er hinzu. Es sei eine "Selbstverständlichkeit", wenn ein Deutscher, der zum Papst gewählt worden sei, bei seinem ersten Besuch in Deutschland eine jüdische Synagoge besuche.
Fürst wies außerdem darauf hin, dass der Vorgänger Benedikts XVI. drei Mal Deutschland besucht habe. Jedes Mal habe Johannes Paul II. dabei auch Vertreter des Judentums in einer Privataudienz getroffen. Insofern könne der Synagogen-Besuch "nur als erster Schritt in eine richtige Richtung bewertet, aber nicht überschwänglich gesehen werden".
Hunderttausende feiern den Papst
Zum Auftakt seiner ersten Auslandsreise feierten gestern Hunderttausende Menschen in Köln Benedikt XVI. Bei strahlendem Sonnenschein fuhr Joseph Ratzinger, 78, auf dem Rhein durch die Domstadt. Vom Schiff rief der deutsche Pontifex der jubelnden Menge am Ufer zu, das "außerordentliche spirituelle Erbe" seines Vorgängers Johannes Pauls II. als Verpflichtung zu begreifen: "Nun haben wir alle zusammen die Aufgabe, seine Lehre in die Tat umzusetzen."
Jubel in Köln: Der Papst kütt
Der viertägige Besuch des Papstes gilt dem Weltjugendtag mit 405.000 Pilgern aus fast 200 Ländern. Ein weiterer Höhepunkt wird die Papstmesse am Sonntag vor rund 800.000 Gläubigen. Der Papstbesuch hat historische Bedeutung. Benedikt XVI. ist der erste deutsche Papst seit knapp 500 Jahren. Dass ein deutsches Kirchenoberhaupt seine Heimat besuchte, liegt sogar rund 950 Jahre zurück.
Nach der Rheinfahrt pilgerte das Kirchenoberhaupt von weltweit einer Milliarde Katholiken zum Dreikönigsschrein im Kölner Dom und fuhr mit dem Papamobil durch die Straßen. Überall grüßten ihn jubelnde Mengen. Für den Papst gilt in Köln die höchste Sicherheitsstufe. Gullydeckel wurden verschweißt, Brücken zeitweise gesperrt und Flugverbote verhängt.
Der Weg des Dialogs
Schon bei seiner Ankunft streckte Benedikt XVI. die Hand aus zu einem Dialog über Religionsgrenzen hinweg. In seiner Ansprache auf dem Flughafen betonte er die Bedeutung der Treffen mit Juden und Muslime. Der Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit müsse für eine gerechte und brüderliche, dem Menschen wirklich angemessene Zukunft noch intensiver gegangen werden.
Der Papst richtete sich auf dem Schiff in mehreren Sprachen an die Jugendlichen: "Reißt euer Herz weit auf für Gott, lasst euch von Christus überraschen!" Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sagte, er hoffe, dass der Papstbesuch "den Glauben in unserem Land und in Europa" stärke. "Machen Sie uns Mut, zu einem gemeinsamen, vertieften christlichen Zeugnis."
Die Begegnung so vieler Jugendlicher beim Weltjugendtag sei ein Zeichen für die Vitalität der Kirche, sagte Benedikt XVI. "Ich bin glücklich, mitten unter den Jugendlichen zu sein, ihren Glauben, so Gott will, zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben."
Die Hilfskräfte in Köln leisteten über 1400 Einsätze für Pilger, meist wegen Kreislaufproblemen. Kreislaufkollaps, Dehydrierung, Überforderung und Übermüdung seien die häufigsten Vorkommnisse, sagte ein Feuerwehrsprecher.