Köln: Die Papstspiele sind eröffnet - DER SPIEGEL
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Köln Die Papstspiele sind eröffnet

Köln feiert, singt und betet. Am Rhein hat der Weltjugendtag begonnen. Es ist ein Spektakel der Superlative: 400.000 Pilger, 759 Bischöfe, 60 Kardinäle, 7700 Journalisten - und zwei Päpste, wie zumindest Kardinal Joachim Meisner behauptet.
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Köln - Hunderttausende junge Katholiken aus aller Welt bevölkern die Domstadt, die ganz im Banne des XX. Weltjugendtages steht. "Die große Welt ist in Deutschland angekommen", jubiliert Jugendbischof Franz-Josef Bode. Für Erzbischof Meisner hat es ein vergleichbares Ereignis "weder vor noch nach der Ankunft der Heiligen Drei Könige in Köln gegeben". Er habe sich auf das Ereignis gefreut wie als Kind auf den Heiligen Abend.

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Weltjugendtag: Der Papst und der Punk

Foto: DDP

Das Ereignis begann mit Gottesdiensten in den Fußballstadien von Köln und Düsseldorf sowie im Bonner Hofgarten. 405.000 Teilnehmer aus fast 200 Ländern hatten sich zum Weltjugendtag angemeldet, der bis Sonntag dauert. Papst Benedikt XVI. wird das Treffen auf der ersten Auslandsreise seines Pontifikats ab Donnerstag besuchen. Zur Abschlussmesse mit dem Papst auf dem Marienfeld vor den Toren Kölns werden rund 800.000 Menschen erwartet.

Doch auch Gläubigen, die nicht persönlich an einer Papstmesse teilnehmen können, bleibt ein Trost: Der katholische Rundfunkbeauftragte des Westdeutschen Rundfunks, Pfarrer Bert Gruber, wies heute darauf hin, dass der Segen des Pontifex für einen Katholiken auch Gültigkeit habe, wenn er ihn nur über Fernsehen oder Radio miterlebe. Voraussetzung: Der Gläubige muss "innerlich disponiert" für den Empfang des Segens sein.

"Die Jugend der Welt hat ein Recht, dass der Papst ihr seine Zeit schenkt", sagte Meisner und verwies darauf, dass der Besuch von Benedikt XVI. kein Deutschlandbesuch, sondern explizit eine Reise zum Weltjugendtag sei. Er bekräftigte, die Veranstaltung sei der erste Weltjugendtag mit zwei Päpsten: Der verstorbene Johannes Paul II., der das katholische Jugendtreffen vor 19 Jahren ins Leben gerufen hat, sei "im Himmel und schaut von oben mit seiner ganzen Sympathie auf den Weltjugendtag".

Ein kontroverses Thema zwischen Jugend und Amtskirche zeichnete sich bereits ab: die Sexualethik. Kardinal Lehmann forderte in einem WDR-Interview, die katholische Kirche müsse ihre Haltung überdenken. Sie laufe sonst Gefahr, in einem wichtigen Bereich des menschlichen Lebens nicht mehr gehört zu werden und abgemeldet zu sein. Es sei nötig, die Begründung für die Verbote plausibler zu machen.

Viele junge Pilger sagten, sie seien für spirituelle Erlebnisse nach Köln gekommen, hätte mit einigen Positionen der Kirche zu Sexualmoral oder Frauenpriestertum aber Probleme. "Ich glaube nicht, dass in meiner Generation viele den erhobenen Zeigefinger beachten", meinte Amy, 22, aus Irland. Außerdem sollten auch Frauen Priester werden dürfen. "Die Lehren der Kirche sind für mich wie ein Büffet, von dem ich mir aussuche, was mir liegt", sagte Caroline, 24, aus der Karibik.

Organisationen von Schwulen und Lesben verlangten vom Papst einen offenen Dialog über Homosexualität. "Ich würde mir wünschen, dass sich das Verhältnis entspannt, ohne dass man erwartet, dass die Kirche ihre grundsätzliche Überzeugung verrät", sagte dazu Heiner Koch, Generalsekretär des Weltjugendtags. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle rief die katholische Kirche zur Liberalisierung ihrer Haltung bei Verhütung und Aids-Bekämpfung auf. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, erwartete allerdings, dass kritische Diskussionspunkte nicht im Mittelpunkt des Weltjugendtags stehen werden.