Köln Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen zu U-Bahn-Pfusch aus
Kölner Stadtarchiv: Pfusch, Wut, Trauer
Köln - Im Skandal um Pfusch an mehreren Kölner U-Bahn-Baustellen hat die Staatsanwaltschaft nach neuen Vorwürfen ihre Ermittlungen ausgeweitet. Es gebe den Verdacht, dass für zwei weitere Baugruben Messdaten in Bauprotokollen gefälscht worden seien, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld am Freitag in Köln.
Damit beziehen sich die Vorwürfe der Schlamperei und kriminellen Machenschaften schon auf fünf der insgesamt acht neu entstehenden Baustellen der Nord-Süd-Stadtbahn. Bisher war man bei den Ermittlungen von drei unterirdischen U-Bahn-Baugruben ausgegangen, in denen die Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten wurden.
Für die entstehenden unterirdischen Bahnhöfe, die die Pfusch- und Betrugsvorwürfe treffen, sollen Protokolle angefertigt worden sein, die sich untereinander verdächtig ähneln oder nahezu identisch sind. Stabilisierende Eisenteile sollen in den Baugruben in teilweise drastischem Ausmaß fehlen. Sie sollen nicht eingebaut, sondern zum illegalen Verkauf abgezweigt worden sein.
Ermittelt wird gegen rund ein Dutzend Verdächtigte, auch Beschäftigte des federführenden Baukonzerns Bilfinger Berger. Der Konzern hat bereits zwei Manager und einen Polier freigestellt. Möglicherweise folgen Schadensersatzklagen.
Feld sagte, auch wenn die Ermittlungen nun ausgeweitet worden seien, werde man "in Sachen Eisenbügel und Messdatenmanipulation" relativ schnell zu einer Aufklärung kommen. "Ich kann kein Datum nennen, aber das kann nicht lange dauern."
Zuvor hatten die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) eingeräumt, dass weitere Bauprotokolle für zwei unterirdische Baustellen manipuliert worden sein sollen.
Erst am Donnerstag hatte der Bilfinger Berger angesichts des wachsenden Drucks offensive Aufklärung versprochen. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, allerdings ohne Quellenangabe, für Bilfinger-Chef Herbert Bodner werde bereits ein Nachfolger gesucht. Ob die Personalie in Zusammenhang mit der U-Bahn-Affäre steht, ist nicht bekannt.
In der Nähe des Waidmarkts in der Kölner Innenstadt war Anfang März 2009 das Stadtarchiv eingestürzt. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, zahlreiche wertvolle Archivalien wurden verschüttet. Es wird vermutet, dass das Unglück und die Fehler beim U-Bahn-Bau in Zusammenhang stehen.