Köln: Würziger Gestank löst Großeinsatz aus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Würzig bis ätzend "Maggikalypse" in Köln

Ein suppenähnlicher Geruch hat das Kölner Stadtgebiet erfasst. Mit einer Task-Force rückte die Feuerwehr dem Gestank zu Leibe - doch den entscheidenden Hinweis zur Aufklärung der "Maggikalypse" lieferten die Bürger.
Großalarm in der Domstadt: "Es riecht nach Brühe"
Großalarm in der Domstadt: "Es riecht nach Brühe"

Großalarm in der Domstadt: "Es riecht nach Brühe"

Foto: Oliver Berg/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Köln - An diesem Morgen erwachten die Kölner mit einem merkwürdigen Geruch in der Nase. In der ganzen Stadt roch es irgendwie herzhaft, nach Brühwürfeln oder Maggi, je nach Empfindlichkeit der Nase als "würzig bis ätzend" beschrieben. Irgendwie nach Suppe jedenfalls. Doch wo lag die Quelle des stadtweiten Ungemachs?

Eine Frage, die bald gefühlt die ganze Stadt auf den Beinen halten sollte. "Stinkt es bei euch auch schon?", hieß es in den sozialen Netzwerken. Die Lokalzeitungen "Kölner Stadt-Anzeiger"  und "Express"  berichteten in Livetickern über die aktuellen Geruchsentwicklungen, der Kölner Blogger Boy Droid sammelte auf einer Google-Karte die "Stinkeorte in Köln". 

Brüh' statt Früh: Hunderte Anrufe besorgter Bürger gingen seit den frühen Morgenstunden bei der Kölner Feuerwehr ein. Eine Analytische Task-Force der Feuerwehr nahm die Arbeit auf. Dort, wo es am stärksten stank, wurden Luftproben genommen und anschließend mit einem Gas-Chromatografen und einem Massenspektrometer analysiert. Doch der Stoff blieb weiter rätselhaft. Wo kam der Gestank her?

Schließlich wurde ein Spezialist der Feuerwehr engagiert, es wurde intensiv analysiert und beraten, selbst ein Hubschrauber kam zum Einsatz - doch alles umsonst, die Feuerwehr konnte weder Ursache noch Ursprung des Suppengeruchs ausfindig machen. Nur in einem Punkt herrschte Klarheit: Der Brühegestank sei nicht schädlich. "Der Aufenthalt im Freien ist nicht gefährlich", hieß es von der Feuerwehr.

Besonders appetitlich jedoch auch nicht. Ein Mitarbeiter des Bürgeramts im Stadtteil Nippes war am Morgen wegen starker Übelkeit ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Letztlich führten aufmerksame Bürger die Ermittler zur Wurzel des Übels: Sie verfolgten den Gestank ins 30 Kilometer entfernte Neuss.

Nach Angaben der Feuerwehr war in der Nacht ein Chemiewerk in Neuss in Brand geraten, das Aromen herstellt. Dabei sei Sotolon ausgetreten - ein Stoff, der auch in Liebstöckel enthalten ist, dem sogenannten Maggi-Kraut. Der Nordwind habe dann sein Übriges getan und den Brühgeruch ins Kölner Stadtgebiet geweht.

Das Unternehmen bedauerte in einer Mitteilung den Vorfall. Einen Brand bestritt die Firma jedoch. Das Sotolon sei bei einem Destillationsprozess mit einer heißen Oberfläche in Kontakt gekommen und verdampft. So sei eine Löschanlage ausgelöst worden, noch bevor sich überhaupt ein Brand entwickelt habe. Einen Feuerwehr-Einsatz habe es daher nicht gegeben.

Ob Brand oder Brühwürfel-Wetter: In den sozialen Netzwerken hatten die Nutzer ihren Spaß. "Was ist das Lieblingsglücksspiel der Kölner? Brühwürfeln", ist unter anderem unter dem Hashtag "Maggikalypse" auf Twitter zu lesen. Und: "Das muss schwarze Maggi sein!" Bildmontagen von Maggi-Flaschen mit Kölnisch-Wasser-Logo und als Bierersatz im Kölsch-Kranz machten die Runde.

Nur eine Fraktion scheint das nicht lustig zu finden: das Maggi-Unternehmen. Dort wollte man sich nicht zu dem Kölner Odeur äußern. Eine Sprecherin beteuerte jedoch, dass es sich nicht um einen PR-Gag handele.

gam/dpa/AFP