Kollision im Ärmelkanal: "Alle Schiffe waren gewarnt" - DER SPIEGEL
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Kollision im Ärmelkanal "Alle Schiffe waren gewarnt"

Der Ärmelkanal gilt als eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt, immer wieder kommt es hier zu gefährlichen Beinahe-Kollisionen - oder zu Unfällen. Nun krachte ein deutscher Frachter auf den Autotransporter, der dort am Samstag gesunken war. Warum der Kapitän die Gefahr nicht bemerkte, ist ein Rätsel.
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Den Haag - Die unbeladene, etwa 100 Meter lange "Nicola" war in den frühen Morgenstunden auf den gesunkenen Autotransporter "Tricolor" aufgefahren - obwohl die Unglücksstelle mit Tonnen abgesichert war, neben anderen Schiffen auch ein französisches Kriegsschiff an der Untergangsstelle patrouillierte und Schiffe dieser Größenordnung immer mit Radar ausgerüstet sind. Zwar mag es schwierig sein, auf dem Radar ein versunkenes Schiff zu erkennen. Da die Bojen jedoch mit speziellen Sensoren ausgestattet sind, erscheinen zumindest diese vergrößert auf dem Radar-Bildschirm.

Bei der Union der Rettungs- und Schleppdienste in Antwerpen zeigte man sich verwundert über den Auffahrunfall. "Über die Umstände des Zusammenstoßes wissen wir noch nicht viel", sagte Sprecher Dirk Mertens. "Das Unglück überrascht uns schon, denn das gesunkene Schiff ist mit Bojen abgesichert und alle Schiffe waren gewarnt." Auch ein Sprecher des niederländischen Bergungsunternehmen Smit konnte zunächst keine Angaben zum Hergang der Kollision gegen drei Uhr früh machen. Sein Unternehmen habe am Unglücksort zwei Fahrzeuge im Einsatz gehabt, um das Wrack abzusichern.

Erst nach mehreren Stunden und mit steigender Flut gelang es fünf Schleppern am Montagmorgen die "Nicola", die sich auf dem Wrack festgefahren hatte, wieder flott zu machen.

Die auf den holländischen Antillen registrierte "Nicola" wird nach Angaben von Lloyds Register London von der deutschen Firma "Intersee Schiffahrt" im niedersächsischen Haren/Ems betrieben. Das frei geschleppte Schiff soll in der Nähe der Unglücksstelle vor Anker gelegt werden, um auf Schäden untersucht zu werden. Nach Lloyds Angaben wurde das Schiff erst vor zwei Jahren gebaut.

Die "Tricolor" war in der Nacht zum Samstag nach einer Kollision mit dem Container-Schiff "Kariba" in dichtem Nebel etwa 40 Kilometer von Dünkirchen entfernt gesunken. Mit dem Schiff sanken etwa 3000 neue Autos der Marken BMW, Saab und Volvo sowie 2000 Tonnen Öl. Die 24-köpfige Besatzung war rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden.

Die "Tricolor" hatte Fracht im Wert von 31 Millionen Pfund, umgerechnet rund 50 Millionen Euro, an Bord, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf die norwegische Reederei. Das Schiff selbst habe einen Wert von rund 25 Millionen Euro.